Halep - Jerusalem
Halep - Jerusalem
Halep
Mittelmeer
Wir sind jetzt wahre Nomaden, nur dass wir weniger bequem sind, als jene, weil wir des Nachts keine Zelte haben. Wäre man von Jugend auf an diese Lebensart gewöhnt, ge- wiss man müsste sie allen andern vorziehen.
14. August 1805Es zog eine Kamelkaravane vorbey. — Wir assen Lebben oder dicke saure Milch, welches unser gewöhnliches Morgenessen ist. Wir assen es mit Brodbrockcn getunkt aus der Schüssel, oder mit Wasser verdünnt mit grossen hölzernen Löflein. Zehn bis fünfzehn Personen setzen sich um die kupferne verzinnte Kumme, und 8 bis 10 Löffel sind für Alle hinlänglich. Also isst man oft gemeinschaftlieh mit seinem Nachbar, mit dem nämlichen Löffel abwechselnd. Des Abends ist das Hauptessen, nämlich Bürgul (Weizengraupen) mit und ohne Fleiscbstücken von Hammeln. Diese isst man mit Löffeln. Man hockt entweder, oder setzt sich auf ein Knie, und nach jedem Löffel voll legt man denselben auf den Rand der Schüs- sel, oder lässt ihn in derselben stehen.
Man nannte meinen Bleystift Kälem bella hebbr oder Kälem bgeir hebbr, und dieser erregte immer die grösstc Bewun-derung.Mein Bleystift erregte fast bey Allen die grösste Verwunderurig, und Einer erzählte dem Andern, dass ich mit einer Feder ohne Dinte schriebe. Einige hatten sie in Halep gesehen, aber nie Gebrauch davon gemacht. Oefters kamen Etliche zu mir, und baten mich, ihnen die Feder zu zeigen, und alsdann versuchten sie damit zu schreiben. Ich thue Alles, um meine Leute bey guter Laune zu erhalten; allein ihr Hass gegen die Franken muss ausserordentlich seyn, und ich muss beständig eine Menge Schimpfwörter hören. Indessen sind sie aber auch unter sich mit starken Worten nicht geizig, und daher verlieren ihre Schimpfwörter: Aib ala schuirrbak, Kelp ihn el Kclb, Tarihj u. s. w., vieles von ihrem Gehalte.
Lieber Zach,
Ich machte diese Reife ohne Dolmetscher und fand zu meinem Vergnügen, dass mich das wenige Arabi- Iche, welches ich in Halep erlernt hatte, in den Stand setzte, auch fernerhin einen solchen zu ent- behren.
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Die gründe sucht er bei sich, bei der kleidung... versucht er in allem, was ihm geschieht, einen rationalen grund, eine begründung zu finden? Kann er allen und allem so urteilsfrei begegnen? Anmerkung Alex: könnte sie weglassen... er versucht für alles eine rationale erklärung zu finden
(Erzählstimme)
[Er besuchte nun zuerst Damascus...
Ausgangspunkt für diverse Reisen...
Arbeit als Arzt wider Willen ..?]
Damaskus
Das Wetter war ausserordentlich schöner Sonnen- schein. Da es bald bekannt wird, wenn ein Arzt hier ankommt: so kamen bald unterschiedliche Personen, mich um Rath zu fragen, obgleich mir nichts mehr zuwider ist, als die praktische Mcdicin, und obgleich ich nur der Bitte meines gefälligen Wir- thes nachgab.
Ich nahm den Namen Müsza an, und versähe mich mit Ferman, Briefen, mit einigen Medicamenten, Pillen von Rhabarber, Honig, Mehl etc.
1806 MaiIch nahm einen hiesigen Seidenweber, namens Hanna, welcher sich drey Jahre lang ni Frankreich aufgehalten hatte, zu meinem Bedienten an, liefs meinen Bart wachsen, klei- dete mich halb in türkilche, halb ni arabilche Tracht, nahm einen arabifchen Namen Mûszu an, versahe mich mit etlichen Arzneymitteln und trat am 1 Maÿ meine Reife nach Haurdn mit einer kleinen Kjerwáne von Haurânern und Arabern an.
Ich ritt zum erftenmal ein Kameel, und fand deffen Gang nach einer zehnstündigen Tagereise bey starker Hitze so ungemächlich, dals ich eine folche Art zu reifen auf immer verwünfchte.
Man sollte glauben, es scy nichts leichler, als Inschriften zu kopiren; allein man irrt sich. Oft sind sie mit Moos und Lichenen bewachsen, oft mit Staub bedeckt, oft fehlt es an Zeit, oft muss man es verstohlen thun, oft sind keine Leitern vorhanden, wie im ganzen Haurän, um die höhern Inschriften zu erreichen, und oft muss man die allerbeschwerlichsleu Stellungen wählen, um sie zu kopiren. So musstc ich die eine Inschrift über der Thüre einer hiesigen Kirche auf die Art kopiren, dass mich der mit Flinte, Pistole und Keule bewaff- nete Grieche, den ich mitgenommen, an seiner Schärpe, um mich geschlungen, hallen musste, indem ich mit halbem Ober-leibe mich auswärts bog. Hätte er unglücklicherweise sich ein- mal vergessen: so wäre ich gestürzt, und hätte auf dem steinernen Pflaster den Hals gebrochen. Oft sind auch die In- schriften durch Alter halb verlöscht oder abgekratzt etc.
Obgleich mein Wirth gestern mit einem hiesigen Chri- sten aecordirt hatte, mir seinen Sohn und seinen Esel täg- lich für 1 Ar Piaster zu überlassen: so war er doch diesen Morgen schon wieder anderer Meinung und wollte nicht gehen. Nachdem ich ihm endlich 2 Piaster geboten, versprach er mir, morgen mich nach Szehhueh und Kaffr zu führen. Heute ist schon der zweite Tag, dass ich hier stille liege. Dies ist zu viel, und die kostbare Zeit geht verloren. Es ist ein Unglück, dass man den Leuten nicht trauen kann! →
Die gewählte Art zu reifen gefiel mir ungemein; denn obgleich fie fehr viele Unbequemlichkeit hat, so konnte ich doch auf diefe Art weit eher den Zweck meiner Reife erfüllen, als in der Gefellfchaft einer grofsen Kjerwáne, die einem wifsbegierigen Reisenden fehr häufg Veranlassung zum lebhaftesten Verdrusse gibt, indem fie sich natürlicher Weife nicht um das wissenschaftliche Interesse eines Reisenden bekümmert und öfters an einer Stelle vorbeyzieht, welche ihm Stoff zu den wichtigsten Untersuchungen darbietet. Ich nahm mir vor, die bereits eingetretene heiße Jahreszeit zu einer Wanderung durch das großse lyrische Gebirg, den Antiliba- non und Libanon, zu benutzen, wo ich ein gemälsigteres Clima, als in den Ebenen erwarten konnte.
Mâr Serkis
Bschére hat eine der höchsten Lagen auf dem Libanon und ift nur zwey Stunden von dem Haine der heiligen Ce. dern (el Ärs er-Rabh) entfernt, welcher am Fufse der Schneekuppen liegt. Mâr Serkis, wo ich etwa anderthalb Monate ni einer Art von Grotte lebte, wurde der Mittelpunct meiner Exkursionen.
Ich ritt einen Maulesel des Klosters. — Von hier gingen wir zum Eisenbergwerke Biär el hadid (Eisenbrunnen), wo 10—12 griechische Bergleute waren. Sie stehen im monatlichen Verding und erhalten mo- natlich 10—15—20 Piaster. Einer hat als Meister die Aufsicht über sie. Die Schachte sind etwa 20 Fuss tief. Oben ist eine horizontale Kreuzhaspel von dieser Form (Zeichnung siehe S. 189) Diese sehr einfache Haspel wird von einem zur Seite der Mün- dung des Schachtes sitzenden Knaben mit den Füssen umge- dreht. Ich war neugierig, das Innere dieser Mine zu sehen, und trat daher diese etwas gefährliche Fahrt mit einem muntern Burschen an. Er liess sich zuerst am Seile in die Grube hinab, indem er sich mit Rücken, Füssen und Kopfe an die Wände stemmte. Alsdann liess er eine brennende Oellampe in dem Korbe hinabwinden. Endlich folgte ich seinem Beyspiele, nach vorher ausgezogenen Schuhen, und es ging gut.
Am Strande wuchs Salsola Kali. Ich sammelte hier unterschiedliche Seeprodukte, kleine Conchylien, die unter den kleinen Strandgeschicben ver- steckt lagen, Schwämme ete
Halep
Damaskus
Tripoli
Tripoli
(Erzählstimme)
Aufenthalt zurück nach Damask 23. September-11. December 1805 Er sendet nochmals Kisten los, die aber nie ankommen!
Ist der Reisende Arzt, so ist dies das Allerbeste. Kein anderer Stand ist vortheilhafter für ihn; er crtheilt medicinischen Rath, theilt Arzneien um- sonst aus, und dadurch macht er sich Freunde, die er sich für Geld nicht erwerben könnte. Als Arzt sucht er Pflanzen, Amphibien, Insekten und Thicre aller Art ohne grosse Ver-wunderung, weil man glaubt, sie seyen zur Medicin nothwen- dig, und indem man Pflanzen sucht, beobachte man auch die Mineralien unvermerkt. Unvermerkt sage ich: denn eine zu grosse Aufmerksamkeit darauf würde ihn wieder in den Ver- dacht bringen, dass er Schätze sammle. Man sage seinen Ge- fährten, man habe kein Geld bey sich, sondern in Damask.
Alle Christen trugen sich mit der Gewissheit, dass die Euro- päer kommen, und Syrien und also auch ihr Land nehmen wür- den. Sie schienen sehr froh darüber zu seyn, und fragten mich in jedem Orte, ob dies wahr sey? Hätte ich ihnen vorgelogen: so hätte ich ihnen vielleicht Freude gemacht; allein der Müslemiu wegen hütete ich mich wohl dafür, indem irgend ein treuloser Christ mich bey denselben hätte angeben können, wodurch ich in eine gefährliche Lage und in den Verdacht kommen können, als wiegle ich das Land auf. Ich widersprach daher diesem Gerüchte aufs nachdrücklichste, und versicherte, dass dies aller Wahrscheinlichkeit nach nie geschehen würde, da ein europäi-scher Sultan es dem andern nicht gönne.
Fast zum neuen Jahr erhielt ich heute mit einem Tatar einige Briefe, die mir die grösstc Freude machten: Mögen diese angenehmen Nachrichten ein glückliches Omen für das künftige Jahr seyn. —
Damaskus
1) Einen Brief von Hrn. v. Hammer
2) einen Brief von unserer gnädigen Fürstin
3) einen Brief vom Bruder, welcher mir vorzüglich interessant war. Er theilte mir unter andern die Nachricht mit, dass der regierende Herzog von Gotha mir jetzt jährlich zum Ankauf 2000 Thaler auszahlen lasse.
Sonnabend Wir sahen 8 Fabrikanten von Bethlehem, die aus Buttmholz Korallen zu Rosenkränzen drechselten. Sie kommen bald hieher, bald nach Mkes, wo Holz vorhanden ist; sie arbeiten 2 — 3 Monate und ziehen alsdann mit ihren Produkten nach Jerusalem.
Ich nahm einen Verwandten des Abdallah zu meinem Führer an. Kein Pferd, Esel etc. war zu erhalten, aus Furcht für die Araber, besonders die Beni Szahhar. Ich musste mich also entschliessen, ineslach zu gehen, d. h. in so schlechter Kleidung, dass es nicht möglich ist, dass die Araber etwas von einem nehmen können.
Etwa 1 Stunde vor Ramta stiessen wir auf einen Araber der Beni Szahhar; er sprach mit Aaser, indess ich weiter ging. Kaum 100 Schritte weiter eilte ein Araber, mit Flinte und Säbel bewaffnet, vom Hügel herab auf mich zu, und rief mir zu: stille zu stehen. Er hatte sein Kopftuch vorgezogen.
Man durchsuchte meine Taschen, fand aber bloss einen leeren Tabaksbeutel und ein wenig trocknes Brodt. Sie sahen meine Pflanzen. Aaser gab ihnen jedem ein Brodt.
Nun öffnete der eine Araber sein Gesicht. Er war jung und lächelte, dass er mich, einen Arzt, ohne Furcht sähe.
Jetzt sähe ich auffallend, welchen Vorzug der Bettler vor Rei- chen hat, denn nie befürchtet er Plünderung, Diebstahl etc.; hat er nur so viel, seinen Hunger zu sättigen, so ist er glück- lieh; Ehrgeiz kränkt ihn nie. etc.
Unglück ist in der That nur scheinbar, und alle Menschen sind gleich glücklich.
Wir begaben uns in eine der bewohnten Höhlen zu der Familie eines Mohammedaners. Sie war, wie die zweite Höhle in Dschedür, etwa 8 Fuss hoch und oben ganz flach. Wir assen hier ein wenig und darauf ging ich mit dem bewaffne- ten Manne an der Nordseite des Berges ins Thal von Sche- riät Mandür oder Mcheddi hinab, um die schon früher erwähnten heissen Quellen zu besuchen, die vormals Ga- dära so berühmt machten. Denn obgleich Gadära auf der Charte auf der Nordseite des Scheriät Mandür steht, so weiss ich doch dort keinen Ort, wo bedeutende Ruinen wären, und ich glaube, Mkes sey das alte Gadära.
Ich halte Mkês für das alte Gadára, eine Stadt, welche unter den Decapolitan-Städten den zwey ten Rang behauptete.Dals Mkês das alte Gadára sey, wird mir, noch dadurch wahrscheinlicher, dals die benachbarte füdliche höhlen- volle Gegend, wo wir eine Nacht zubrachten, al DIchedûr heifst, welches ohne Zweifel nichts an- ders ift, als DIchadâr oder Gadará.
Wir kehrten nun bey beständigein Regen nach Bet er Ras zurück, wo wir völlig durchnässt ankamen. Da wenig Holz vorhanden war: so konnte ich meine Kleider nicht trock- nen. (Zu el Dschedür (vielleicht der District Gadära, Dscha-där) wurden wir nach genossenem Abendessen, das aus Wei- zengraupen und wilden Kräutern bestand, und sehr wenig schmackhaft war, in eine andere grosse nahe Höhle geführt, wo wir den Alten nebst einem Knaben an einem Feuer sitzen sahen, welches aus einem halben Baumstamme bestand. Dies war mir äusserst willkommen, da meine Kleider noch nass waren, und es feuchte kalte Witterung war. Diese Höhle war ganz in dem Felsen ausgehauen, hatte eine beträchtliche Grösse, war etwa 8— 10 Fuss hoch und oben platt. Sie fasste an einem Ende die Ziegenheerde,- die aus reichlich anderthalb hundert Stücken bestand. Wir lagerten uns nach dem genossenen Nachtmahl, das aus Reis bestand, um das Feuer, wel- ches wir die ganze Nacht hindurch unterhielten. Der Alte beklagte sich über die Bedrückungen des Dola. Diese Höhle hatte eine Thüre, jedoch ohne Flügel; man sähe aber, dass diese vorhin vorhanden gewesen waren.) —
Wir kehrten wieder bey dem näm- lichen Müslem ein, denn es waren gute Leute, und gingen des Morgens nach Hössn zurück.Ich wurde bisweilen als ein wirk- licher Armer angesehen und zurückgesetzt. Dies war mir un- gewohnt und bisweilen unangenehm, wenn ich meine Rolle vergass. Kleider machen Leute!
Seetzen besucht Rosenkranzdrechsler - Jerusalem naht.
#715 – 20.03.1806
es Szalt
DonnerstagDas Wetter war unvergleichlich schön. Gestern besuchten wir die Rosenkranzdrechsler, wel- che in einer Grotte arbeiten. Sie arbeiten vorzüglich Buttn- holz, bisweilen aber auch Onnäb und Johannisbrodtholz, die beide aber schwerer zu verarbeiten sind, als jenes. Onnäb liefert röthliche Korallen. Der Mann verfertigt täglich 10 — 60 Rosenkränze, jeden von 70 Korallen
#725 – 1806
Wir sahen links au einem Bergabhange das Dorf Bet Schala, unterschiedliche Wallfahrtsstationen und Oerter, rechts auf halbem Wege ein Kloster Der Mar Elias, und kamen endlich bey Regen und Winde in Jerusalem an, welches man erst erblickt, wenn man ihm nahe ist. Es liegt auf einem beträchtlichen steilsei-tigen Berge, hat gute Mauern und nimmt sich von aussen gut aus. Die Gegend ist gut kultivirt, besonders nimmt sich der Oelberg sehr gut aus. Auch die Klöster und Kirchen sind ansehnlich.
Damaskus
Jerusalem
القدس
Mittelmeer
Totes Meer
Jerusalem
القدس