Halep - Jerusalem
Halep - Jerusalem
Halep
Mittelmeer
Seetzen verlässt Haleb nach 18 Monaten – mit einer Karawane:
#491 – 19.04.1805
Wir sind jetzt wahre Nomaden, nur dass wir weniger bequem sind, als jene, weil wir des Nachts keine Zelte haben. Wäre man von Jugend auf an diese Lebensart gewöhnt, gewiss man müsste sie allen andern vorziehen.
#485 1 – 14.04.1805
Es zog eine Kameelkjerwane vorbey. — Wir assen Lebben oder dicke saure Milch, welches unser gewöhnliches Morgen- essen ist. Wir assen es mit Brodbrockcn getunkt aus der Schüs- sel, oder mit Wasser verdünnt mit grossen hölzernen Löflein. Zehn bis fünfzehn Personen setzen sich um die kupferne verzinnte Kumme, und 8 bis 10 Löffel sind für Alle hinläng- lich. Also isst man oft gemeinschaftlieh mit seinem Nachbar, mit dem nämlichen Löffel abwechselnd.
Des Abends ist das Hauptessen, nämlich Bürgul (Weizengraupen) mit und ohne Fleiscbstücken von Hammeln. Diese isst man mit Löffeln. Man hockt entweder, oder setzt sich auf ein Knie, und nach jedem Löffel voll legt man denselben auf den Rand der Schüs- sel, oder lässt ihn in derselben stehen. —
#490 – 17.04.1805
Abends Gesang und Tanz. Man setzte sich in einen Kreis; Einer schlug den Dörrbecke, und Einer tanzte, während der Kreis sang, und nach dem Takt in die Hände klatschte.Man war auf seiner Huth wegen der Araber.
#485 2 – 14.04.1805
Mein Bleystift erregte fast bey Allen die grösste Verwunderurig, und Einer erzählte dem Andern, dass ich mit einer Feder ohne Dinte schriebe. Einige hatten sie in Halep gesehen, aber nie Gebrauch davon gemacht. Oefters kamen Etliche zu mir, und baten mich, ihnen die Feder zu zeigen, und alsdann versuchten sie damit zu schreiben.
Ich thue Alles, um meine Leute bey guter Laune zu erhalten; allein ihr Hass gegen die Franken muss ausserordentlich seyn, und ich muss beständig eine Menge Schimpfwörter hören. Indessen sind sie aber auch unter sich mit starken Worten nicht geizig, und daher verlieren ihre Schimpfwörter: Aib ala schuirrbak, Kelp ihn el Kclb, Tarihj u. s. w., vieles von ihrem Gehalte.
#615 – 23.11.1805
Monatl. Correfp. 1806. MAY.DamaskIch machte diese Reife ohne Dolmefcher und fand zu meinem Vergnügen, dals mich das wenige Arabi- Iche, welches ich in Halep erlernt hatte, in den Stand setzte, auch fernerhin einen solchen zu ent- behren.
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Die gründe sucht er bei sich, bei der kleidung... versucht er in allem, was ihm geschieht, einen rationalen grund, eine begründung zu finden? Kann er allen und allem so urteilsfrei begegnen? Anmerkung Alex: könnte sie weglassen... er versucht für alles eine rationale erklärung zu finden
Kaum ist Seetzen in Damask angekommen...
Damaskus
#496 – 25.04.1805
Das Wetter war ausserordentlich schöner Sonnen- schein. Da es bald bekannt wird, wenn ein Arzt hier ankommt: so kamen bald unterschiedliche Personen, mich um Rath zu fragen, obgleich mir nichts mehr zuwider ist, als die praktische Mcdicin, und obgleich ich nur der Bitte meines gefälligen Wirthes nachgab.
... ist er auch schon wieder weg.
#617 – 23.11.180501.05.1805
Monatl. Correfp. 1806. MAY.
Damask
Ich nahm einen hiesigen Seidenweber, namens Hanna, welcher sich drey Jahre lang ni Frankreich aufgehalten hatte, zu meinem Bedienten an, liefs meinen Bart wachsen, klei- dete mich halb in türkilche, halb ni arabilche Tracht, nahm einen arabifchen Namen Mûszu an, versahe mich mit etlichen Arzneymitteln und trat am 1 Maÿ meine Reife nach Haurdn mit einer kleinen Kjerwáne von Haurânern und Arabern an.
Ich ritt zum erftenmal ein Kameel, und fand deffen Gang nach einer zehnstündigen Tagereise bey starker Hitze so ungemächlich, dals ich eine folche Art zu reifen auf immer verwünfchte.
Seetzen ist jetzt nur mit einem Begleiter unterwegs -und sammelt Inschriften.
#521 – 14.05.1805
Man sollte glauben, es scy nichts leichler, als Inschriften zu kopiren; allein man irrt sich. Oft sind sie mit Moos und Lichenen bewachsen, oft mit Staub bedeckt, oft fehlt es an Zeit, oft muss man es verstohlen thun, oft sind keine Leitern vorhanden, wie im ganzen Haurän, um die höhern Inschriften zu erreichen, und oft muss man die allerbeschwerlichsleu Stellungen wählen, um sie zu kopiren. So musstc ich die eine Inschrift über der Thüre einer hiesigen Kirche auf die Art kopiren, dass mich der mit Flinte, Pistole und Keule bewaff- nete Grieche, den ich mitgenommen, an seiner Schärpe, um mich geschlungen, hallen musste, indem ich mit halbem Ober-leibe mich auswärts bog. Hätte er unglücklicherweise sich ein- mal vergessen: so wäre ich gestürzt, und hätte auf dem steinernen Pflaster den Hals gebrochen. Oft sind auch die In- schriften durch Alter halb verlöscht oder abgekratzt etc.
Plötzlich geht es nicht mehr weiter.
Alle haben etwas Besseres zu tun.
Nur Seetzen nicht.
#532 – 24.05.1805
Obgleich mein Wirth gestern mit einem hiesigen Chri- sten aecordirt hatte, mir seinen Sohn und seinen Esel täg- lich für 1 Ar Piaster zu überlassen: so war er doch diesen
Morgen schon wieder anderer Meinung und wollte nicht gehen. Nachdem ich ihm endlich 2 Piaster geboten, versprach er mir, morgen mich nach Szehhueh und Kaffr zu führen. Heute ist schon der zweite Tag, dass ich hier stille liege. Dies ist zu viel, und die kostbare Zeit geht verloren. Es ist ein Unglück, dass man den Leuten nicht trauen kann!
(seetzen-fußnote)
#540 – 31.05.1805
Ich war schon wieder von einem Christen, der mir ge-stern versprach, mich nach Naua zu bringen, angeführt. Diesen Morgen hiess es, es sey dort ein Meer von räuberischen Arabern, die zugleich grausam seyen, und Einen ums Leben brächten. Er wollte nicht. (seetzen-fußnote)
2. Juny (Sonntag). ') Ich miethete für 4 Piaster gestern ein Pferd nach Naua, welches etwa 5 Stunden von hier entfernt seyn soll. Allein heute war der griechische Christ wieder wort- brüchig. Jetzt hiess es, der Weg sey äusserst gefährlich wegen der Anäseh, und man setze nicht bloss seine Kleidung, Geld und Gepäck, sondern auch sein Lehen in Gefahr. Letzteres glaube ich nicht. Mein griechischer wortbrüchiger Christ verspricht mir, morgen früh mich hinzubringen, allein ich traue ihm nicht. Welch' ein Unglück, an einem Orte stille liegen zu müssen, wo man nichts Interessantes findet. (seetzen-fußnote)
3. Juny (Montag). Was ich befürchtete, ist eingetreten. Auch heute erschien der verwünschte Kerl nicht. (...)Jetzt habe ich mit meinem Wirthe Abdallah aecordirt, welcher mich für 6 Piaster diese Nacht nach Naua bringen lassen will. Ich hoffe, dass er besser sein Wort halten werde. — (seetzen-fußnote)4. Juny (Dienstag). Schon hatte ich halb wieder die Hoffnung aufgegeben, dass ich in der Nacht abreisen würde, als Musa kam und mich vor Tage weckte. Wir packten ganz stille auf, und ritten vorwärts durch eine herrliche Ebene und Getreydefelder. Wir ritten westwärts das verwüstete Dorf Cht ebbe vorbey, wo eine Quelle, welche mit Quadern einge- fasst war und gutes Wasser hatte. (seetzen-fußnote)
5. Juny (Mittwochen). Heute war Feuer im Getreyde. Ich bin von 2 Arabern, die ihre Spiessc vor die Thüre gestellt haben, gleichsam belagert, denn sie verlangen bald dies, bald jenes. — Mein Wirth lässt mich nicht fortbringen, und vertrö- stet auf morgen. Ich ertheile mchrecn Anase medizinischen Rath. Einer verlangte mich nach seinem Lager bey Harra, wegen eines Kranken. Er isst sein Bi'odt mit mir. Alle Araber sind bewaffnet mit Lanze, Säbel, Luntenflintc, Pistole; auch mit Keule oder Hammer; aber gewöhnlich schlecht gekleidet. Die Zeit wurde mir lang. (seetzen-fußnote)
6. Juny (Donnerstag). Die Anase-Arabcr sind alle Wuhabi. Die hiesigen betragen sich gut gegen mich. Endlich ging es heute Morgen fort. Ich musste dem Schech 4 Piaster für die 2 Stunden bis Tszil zahlen, welches südwestwärts liegt. Ein bewaffneter Reiter von des Paschas Truppen, ein Maggrebbi von Tripolis, begleitete mich, weil der Weg sehr unsicher sey. Dieser betrog mich auch um 1-|~ Piaster. Der Pfad führte erst über Getreydefelder, neben einzelnen isolirten Hügeln in der Hälfte des Weges, wo vieler Boden un- kultivirt lag, und wo etliche Araber sich zeigten. Nachher aber, nach Tszil zu, war ein herrlicher fruchtbarer ebener Boden. In Tszil logirte ich beym Chüri Müsza, mit dem ich wegen einer Reise um den todten See unterhandelte. — (seetzen-fußnote)
7. Juny (Freytag). Noch immer lässt mich der Priester in Ungewissheit, ob er mitreisen will oder nicht? — (seetzen-fußnote)
8. Juny (Sonnabend). Gott verdamme alle Lügner! Er verdamme, verdamme sie! Welch' einen Verdruss hat mir nicht heute Morgen der Priester gemacht, als er erfuhr, dass wir der Araber wegen nicht abreisen könnten. Er gab vor, er wolle einen Araber suchen lassen, der uns begleite. Allein wahrscheinlich ist alles dies nur deswegen, weil morgen Sonntag ist, da wir dann morgen nicht reisen können. (...) Es währte nicht lange, so kam ein verwünschter Kerl, und stimmte alle wieder um, indem er die Gefahr zu gross schilderte. Er behauptete, ich müsse hier bis nach der Erndfce, d.h. noch 4 — 5 Tage, bleiben, da sie dann alle bewaffnet mit mir ziehn wollten. Der Priester, dem ich bereits 21 Piaster gegeben, hatte sich weggestohlen, und da das Betragen der Leute verändert war, so ahndete ich hier eine Verrätherey, und hielt mich den Abend hindurch wach. Um Mitternacht kam endlich der Priester. Ich machte ihm Vorwürfe, aber er behauptete, wir gingen morgen ganz gewiss fort; doch gab er mir 2 venezianische Zechinen wieder zurück. Ich wachte die ganze Nacht wegen Läusen, Flöhen und Krad, und dachte der Sache nach. Endlich entschloss ich mich, nach Damask zu gehen, und zuvor den Libanon und Antilibanon zu bereisen, weil die heisse Zeit nahe ist; zugleich Neuigkeiten einzuziehen, und mein Journal in Sicherheit zu stellen. Im Herbst sind die Araber fort.
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Die gründe sucht er bei sich, bei der kleidung... versucht er in allem, was ihm geschieht, einen rationalen grund, eine begründung zu finden? Kann er allen und allem so urteilsfrei begegnen? Anmerkung Alex: könnte sie weglassen... er versucht für alles eine rationale erklärung zu finden
9. Juny (Sonntag). Ich kündigte heute morgen dem Chüri an, dass ich nicht nach Jerusalem, sondern nach Damask reisen wolle. Er holte daher das Geld von den 2 Arabern wieder ab, und gab es mir, mit dem Versprechen, sogleich abzureisen. Er ging in- dessen aus, und kam nicht wieder. Ich suchte ihn im Bedar, wo man mir sagte, er sey beym Schech. Ich fand ihn dort, und nun erfuhr ich, dass ich eher nicht abreisen könne, als mit der ersten Getreyde-Kjerwane. Ich wurde über das Lügen des Priesters sehr aufgebracht, und entschloss mich, sein Haus zu verlassen und zum Schech zu gehen. Auf dem Wege da- hin wurde ich indess durch sein und Anderer Zureden, dass ich ihm ja diese Schande nicht anthun sollte, bewogen, noch zu bleiben, und den Abgang der Kjefwane zu erwarten, welche hoffentlich bald abgehen wird. Sie geht einen Weg, den man sonst nicht leicht passirt, weil man erst bey Kes- sueh auf die Heerstrasse kommt. Ich bin hier in einem Hamen gefangen, wie ein Fisch, indem mich Niemand der Ara- ber, eigner Geschäfte wegen, fortbringen will. (seetzen-fußnote)
10. Juny (Montag). Täglich zogen viele Araber vorbey, heute aber eine ansehnliche Armee von mehrern tausend Kameelen, welche ostwärts zogen. Sie bedeckten die Ebene, und der Zug dauerte ein paar Stunden; manche von ihnen kamen ins Dorf und nahmen Weizen. Sie bezogen bessere Weide- plätze. — (seetzen-fußnote)
11. Juny (Dienstag). Jetzt heisst es nun wieder sicher, dass die Kjerwane morgen abgehen werde. Ich habe einen Esel für 8 Piaster gemiethet.
12. Juny (Mittwochen). Ich bin noch immer hier! Fast täglich ziehen viele Araber-Haufen vorbey, ostwärts. (seetzen-fußnote)
13. Juny (Donnerstag). Lange vor Tagesanbruch reiseten wir ab. Der Priester gab mir einen kleinen Esel statt dein versprochenen Pferde für 8 Piaster. Er verlangte aber noch 4 Piaster! — Ein Müslem schien einen Anschlag auf meine Pisto- len zu machen. — Es regnete ein wenig.
Damaskus
"Ist der Reisende Arzt,"
Ist der Reisende Arzt, so ist dies das Allerbeste. Kein anderer Stand ist vortheilhafter für ihn; er crtheilt medicinischen Rath, theilt Arzneien um- sonst aus, und dadurch macht er sich Freunde, die er sich für Geld nicht erwerben könnte. Als Arzt sucht er Pflanzen, Amphibien, Insekten und Thicre aller Art ohne grosse Ver-wunderung, weil man glaubt, sie seyen zur Medicin nothwen- dig, und indem man Pflanzen sucht, beobachte man auch die Mineralien unvermerkt. Unvermerkt sage ich: denn eine zu grosse Aufmerksamkeit darauf würde ihn wieder in den Ver- dacht bringen, dass er Schätze sammle. Man sage seinen Ge- fährten, man habe kein Geld bey sich, sondern in Damask.
Damaskus
دمشق
Tripoli
Drei Wochen in Damask –
schon ist er wieder weg.
Mittelmeer
Zypern
Tripoli
Tripoli
Damaskus
دمشق
Zum dritten Mal Damask und
ein erstes Fazit:
Damaskus
دمشق
#602 – 25.09.1805
Die gewählte Art zu reifen gefiel mir ungemein; denn obgleich fie fehr viele Unbequemlichkeit hat, so konnte ich doch auf diefe Art weit eher den Zweck meiner Reife erfüllen, als in der Gefellfchaft einer grofsen Kjerwáne, die einem wifsbegierigen Reisenden fehr häufg Veranlassung zum lebhaftesten Verdrusse gibt, indem fie sich natürlicher Weife nicht um das wissenschaftliche Interesse eines Reisenden bekümmert und öfters an einer Stelle vorbeyzieht, welche ihm Stoff zu den wichtigsten Untersuchungen darbietet.
Er kehrt zum letzten Mal
nach Damask zurück...
Fast zum neuen Jahr erhielt ich heute mit einem Tatar einige Briefe, die mir die grösste Freude machten:
1) Einen Brief von Hrn. v. Hammer
2) einen Brief von unserer gnädigen Fürstin
3) einen Brief vom Bruder, welcher mir vorzüglich interessant war. Er theilte mir unter andern die Nachricht mit, dass der regierende Herzog von Gotha mir jetzt jährlich zum Ankauf 2000 Thaler auszahlen lasse.
Mögen diese angenehmen Nachrichten ein glückliches Omen für das künftige Jahr seyn. —
und macht sich auf den Weg nach Jerusalem.
Mit einem Begleiter.
#671 – 08.02.1806
SonnabendWir sahen 8 Fabrikanten von Bethlehem, die aus Buttmholz Korallen zu Rosenkränzen drechselten. Sie kommen bald hieher, bald nach Mkes, wo Holz vorhanden ist; sie arbeiten 2 — 3 Monate und ziehen alsdann mit ihren Produkten nach Jerusalem.
Seetzen sucht das antike Gadara. Alle raten ihm davon ab: Die Gegend ist zu unsicher. Da hat Seetzen eine Idee.
Ich nahm einen Verwandten des Abdallah zu meinem Führer an. Kein Pferd, Esel etc. war zu erhalten, aus Furcht für die Araber, besonders die Beni Szahhar. Ich musste mich also entschliessen, ineslach zu gehen, d.h. in so schlechter Kleidung, dass es nicht möglich ist, dass die Araber etwas von einem nehmen können.
#677 – 17.02.1806
Dräa, MontagIch nahm einen Verwandten des Abdallah zu meinem Führer an. Kein Pferd, Esel etc. war zu erhalten, aus Furcht für die Araber, besonders die Beni Szahhar. Ich musste mich also entschliessen, ineslach zu gehen, d. h. in so schlechter Kleidung, dass es nicht möglich ist, dass die Araber etwas von einem nehmen können.
#678 – 17.02.1806
Etwa 1 Stunde vor Ramta stiessen wir auf einen Araber der Beni Szahhar; er sprach mit Aaser, indess ich weiter ging. Kaum 100 Schritte weiter eilte ein Araber, mit Flinte und Säbel bewaffnet, vom Hügel herab auf mich zu, und rief mir zu: stille zu stehen. Er hatte sein Kopftuch vorgezogen.
“Woher? Wohin?”
Ich ging mit ihm zu den Andern.
Man durchsuchte meine Taschen, fand aber bloss einen leeren Tabaksbeutel und ein wenig trocknes Brodt. Sie sahen meine Pflanzen. Aaser gab ihnen jedem ein Brodt.
Nun öffnete der eine Araber sein Gesicht. Er war jung und lächelte, dass er mich, einen Arzt, ohne Furcht sähe.
Jetzt sähe ich auffallend, welchen Vorzug der Bettler vor Reichen hat, denn nie befürchtet er Plünderung, Diebstahl etc.; hat er nur so viel, seinen Hunger zu sättigen, so ist er glück- lieh; Ehrgeiz kränkt ihn nie. etc.
Unglück ist in der That nur scheinbar, und alle Menschen sind gleich glücklich.
#685 – 23.02.1806
Wir begaben uns in eine der bewohnten Höhlen zu der Familie eines Mohammedaners. Sie war, wie die zweite Höhle in Dschedür, etwa 8 Fuss hoch und oben ganz flach. Wir assen hier ein wenig und darauf ging ich mit dem bewaffne- ten Manne an der Nordseite des Berges ins Thal von Sche- riät Mandür oder Mcheddi hinab, um die schon früher erwähnten heissen Quellen zu besuchen, die vormals Ga- dära so berühmt machten. Denn obgleich Gadära auf der Charte auf der Nordseite des Scheriät Mandür steht, so weiss ich doch dort keinen Ort, wo bedeutende Ruinen wären, und ich glaube, Mkes sey das alte Gadära.
#690 – 180
Ich halte Mkês für das alte Gadára, eine Stadt, welche unter den Decapolitan-Städten den zweyten Rang behauptete
Dals Mkês das alte Gadára sey, wird mir, noch dadurch wahrscheinlicher, dals die benachbarte füdliche höhlen- volle Gegend, wo wir eine Nacht zubrachten, al DIchedûr heifst, welches ohne Zweifel nichts an- ders ift, als DIchadâr oder Gadará.
#693 – 1806
Wir kehrten nun bey beständigein Regen nach Bet er Ras zurück, wo wir völlig durchnässt ankamen. Da wenig Holz vorhanden war: so konnte ich meine Kleider nicht trock- nen.
(Zu el Dschedür (vielleicht der District Gadära, Dscha-där) wurden wir nach genossenem Abendessen, das aus Wei- zengraupen und wilden Kräutern bestand, und sehr wenig schmackhaft war, in eine andere grosse nahe Höhle geführt, wo wir den Alten nebst einem Knaben an einem Feuer sitzen sahen, welches aus einem halben Baumstamme bestand. Dies war mir äusserst willkommen, da meine Kleider noch nass waren, und es feuchte kalte Witterung war. Diese Höhle war ganz in dem Felsen ausgehauen, hatte eine beträchtliche Grösse, war etwa 8— 10 Fuss hoch und oben platt. Sie fasste an einem Ende die Ziegenheerde,- die aus reichlich anderthalb hundert Stücken bestand.
Wir kehrten wieder bey dem nämlichen Müslem ein, denn es waren gute Leute, und gingen des Morgens nach Hössn zurück.Ich wurde bisweilen als ein wirk- licher Armer angesehen und zurückgesetzt. Dies war mir un- gewohnt und bisweilen unangenehm, wenn ich meine Rolle vergass. Kleider machen Leute!
Seetzen besucht
Rosenkranzdrechsler -
Jerusalem naht.
#715 – 20.03.1806
es Szalt
Donnerstag
Das Wetter war unvergleichlich schön. Gestern besuchten wir die Rosenkranzdrechsler, wel- che in einer Grotte arbeiten. Sie arbeiten vorzüglich Buttn- holz, bisweilen aber auch Onnäb und Johannisbrodtholz, die beide aber schwerer zu verarbeiten sind, als jenes. Onnäb liefert röthliche Korallen. Der Mann verfertigt täglich 10 — 60 Rosenkränze, jeden von 70 Korallen
Damaskus
#725 – 1806
Wir sahen links au einem Bergabhange das Dorf Bet Schala, unterschiedliche Wallfahrtsstationen und Oerter, rechts auf halbem Wege ein Kloster Der Mar Elias, und kamen endlich bey Regen und Winde in Jerusalem an, welches man erst erblickt, wenn man ihm nahe ist. Es liegt auf einem beträchtlichen steilsei-tigen Berge, hat gute Mauern und nimmt sich von aussen gut aus. Die Gegend ist gut kultivirt, besonders nimmt sich der Oelberg sehr gut aus. Auch die Klöster und Kirchen sind ansehnlich.
Mittelmeer
Totes Meer
Jerusalem
القدس
Jerusalem
القدس
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