Gotha 3 Sternwarte Seeberg

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Der Seeberg ist ein kahler aus Kalkflötz bestehender etwas isolirt liegender Berg, von welchem man nach allen Seiten einen größtentheils freien Horizont hat. Das Observatorium steht auf dem höchsten Gipfel des Berges. Es besteht aus einem massiven, sehr stark gebaueten Hauptgebäude, welches zum Observatorium bestimmt ist, und aus 2 Flügeln, welche zur Wohnung des Herrn Obersten dienen.

Er ist ein Mann von etlichen 50 Jahren, hat aber das Ansehen, als wenn er zehn Jahre iünger ist. Er ist mittlerer Größe, ein wenig korpulent, leicht in seinen Manieren, sehr lebhaft, und gesprächig. Es ist zu bewundern, wie so viele Lebhaftigkeit und Gabe der Unterhaltung sich mit solchen Abstractionen und trocknen Berechnungen, welche mit seiner Lieblingswissenschaft nothwendig verbunden sind, vertragen. Spricht er über wissenschaftliche Gegenstände: so ist er ganz Ernst. Er hat ein denkendes feuriges Auge, aber diese Schärfe wird durch eine angenehme Freundlichkeit seiner Lippen gemildert. Er steht in hoher Achtung bey der herzoglichen Familie, besonders bey der regierenden Herzoginn, einer beiahrten Dame, deren Liebe zu den Wissenschaften allgemein bekannt ist.

Er machte uns mit den verschiedenen Arten von künstlichen Horizonten bekannt, welche man zu Höhenmessungen bedarf; man bedient sich dazu eines länglicht viereckigten hölzernen Kästchens, worin man Oel mit etwas Kienruß geschwärzt giesst; man kann auch dazu eine
andere Flüssigkeit nehmen. Indessen 
muß bey der Anwendung eines solchen
k ünstlichen Horizonts eine völlige Windstille herrschen, weil sonst die Oberfläche derselben beweget wird; wodurch 
sie unbrauchbar wird; hätte man
 hinlänglich grosse Blätter vom russischen
 Frauenglase, womit man diesen Horizont bedecken könnte: so wäre
 diesem Uebel vorgebeugt. Allein dies 
ist fast gar nicht zu bekommen.

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An dem Fuße

An dem Fuße dieser Bergseiten ragten viele Felsen von braunem Jaspis hervor. Ich fand hier eine Schlange, einen starken Daumen dick, welche den Schwanz und einen Theil vom Körper verloren hatte. Ich zählte noch 99 Bauchschilder. Die Schuppen waren lanzettförmig. Unten war sie ganz weiß, oben bleygrau, besonders an den Rändern der Schuppen, die in ihrer Mitte weißlicht sind. Der Kopf ist mit Schildern bedeckt; die Pupille ist blau, die Iris goldgelb und glänzend. Die Nasenlöcher sind ziemlich groß. Der ganze Körper glänzt, als wenn er mit einem Firniß überzogen wäre. Vielleicht ist es Coluber cinareus'" L., welches sich indeß nicht mit Gewissheit bestimmen ließ. Da ich die Schlange nicht anders halten konnte: so zog ich sie durch eine Schärpe. Bald nachher sahen wir in geringer Entfernung 3 bewegliche Dörfer der Jörühk, die auch dies Gebirge bewohnen. Da ich Milch zu haben wünschte: so ritten wir auf einen dieser Nomaden zu, der gerade ein Gefäß vol hatte, welche er uns verkaufte. Meine Schlange fiel ihm in die Augen, die mir von der Schärpe herunter hing, und weil ihm der Schwanz und ein beträchtlicher Theil des übrigen Körpers fehlte und diese abgerissene Stelle noch frisch zu seyn schien: so sagte er verwunderungsvoll zu meinem Dolmetscher: „Wie, ißt denn dieser Mann (indem er auf mich zeigte) Schlangen?" Diese Frage gab uns vielen Stoff zum Lachen.

Mein erster Tagebucheintrag

23.09.1803
Man gab nun zu verstehen, dass dieses Kloster ausser dem Gebiete jener beiden Paschas liege, und keinen Oberherrn anerkenne, als seine geistlichen Obern in Jerusalem und Kahira, und dass mithin jene beiden Pässe hier von wenigem Werth für mich seyen. Indessen man wolle die Sache in Ueberlegung nehmen. Man liess hierauf Schech Sibben kommen, um sich bey ihm nach uns zu erkundigen, und sein Zeugniss fiel so vorteilhaft aus, dass sogleich das grosse Tau herniedergelassen wurde, um mich nebst meinem Bedienten und kleinem Gepäck hinaufzuwinden. In dem Strick war unten ein grosses Auge befindlich, worin man sich setzt, während dem man sich mit den Händen an jenem festhält; zwey Leute drehen oben eine Erdwinde, und so steigt man langsam und ziemlich bequem in die Höhe.

Man entschuldigte sich nun wegen meiner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuffen, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht bequeme Zimmer in der Abteilung des Klosters, welche für Fremde bestimmt ist, nebst einem Mönch zu meiner Bedienung an.

23.09.1803
Das Erste, was ich heute vornam, war, Jacobsen aufzusuchen, falls er noch hier seyn sollte. Ausser etlichen kleinen lagen hier noch 12 grosse Schiffe, alle unter kaiserlicher Flagge und für Triest bestimmt. Sie waren schon grösstentheils beladen. Sieben kaiserliche waren bereits nach Triest abgesegelt. Alle diese Schiffe wurden hier mit Rosinen und grossen Korinthen beladen. Manche von ihnen hatten auch in Smira Feigen etc. eingenommen. 
Es war ein glücklicher Umstand für mich, dass Jacobsen hier war. Da Jacobsen Scio noch nicht besuchet hatte, obgleich er eine Zeitlang mit seinem Schiffe nahe an der Küste derselben gelegen hatte; da überdem ich auf Scio astronomische Beobachtungen machen wollte, und Rubin ein schlechter Gehülfe war: so nam ich ihn mit nach Chió zurück.

Whatever

Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht bequeme Zimmer in der Abteilung des Klosters, welche für Fremde bestimmt ist, nebst einem Mönch zu meiner Bedienung an. Aufmerk- samkeit rühmen, welche sie mir während der ganzen Reise erzeigten.

Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht bequeme Zimmer in der Abteilung des Klosters, welche für Fremde bestimmt ist, nebst einem Mönch zu meiner Bedienung an. Aufmerk- samkeit rühmen, welche sie mir während der ganzen Reise erzeigten.

Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht bequeme Zimmer in der Abteilung des Klosters, welche für Fremde bestimmt ist, nebst einem Mönch zu meiner Bedienung an. Aufmerk- samkeit rühmen, welche sie mir während der ganzen Reise erzeigten.

Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht Man entschuldigte sich nun wegen mei- ner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuf- ten, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht bequeme Zimmer in der Abteilung des Klosters, welche für Fremde bestimmt ist, nebst einem Mönch zu meiner Bedienung an. Aufmerk- samkeit rühmen, welche sie mir während der ganzen Reise erzeigten.

Die höchste Spitze des Olymps hat

Die höchste Spitze des Olymps hat nach allen Himmelsgegenden gleichförmig ansteigende Seiten. Er ist kahl, besteht ganz aus Felsenboden und Steingerölle, und alles von weißem und graulichtem Glanzmormor

Nur hie und da sieht man ein paar Sedumviten (Sedum) und andere einzelne kleine Pflänzchen und Moose zwischen den Steinen, wovon manche mit Flechten überzogen sind. Es fiel mir auf, hier unter den wenigen Pflänzchen das Vergißmeinnicht (Myosotis scorpioides arvensis) am häufigsten anzutreffen. Selbst auf dem Gipfel fand ich einige, die ich pflückte, um sie meinen Freunden in Teutschland zu übersenden.

Ich zählte noch 99 Bauchschilder

Ich zählte noch 99 Bauchschilder. Die Schuppen waren lanzettförmig.
Unten war sie ganz weiß, oben bleygrau, besonders an den Rändern der Schuppen, die in ihrer Mitte weißlicht sind. Der Kopf ist mit Schildern bedeckt; die Pupille ist blau, die Iris goldgelb und glänzend. Die Nasenlöcher sind ziemlich groß. Der ganze Körper glänzt, als wenn er mit einem Firniß überzogen wäre. Vielleicht ist es Coluber cinareus'" L., welches sich indeß nicht mit Gewissheit bestimmen ließ.

Sie beziehen auf diesen Stationen entweder einen Chan

Sie beziehen auf diesen Stationen entweder einen Chan, oder wo kein Chan ist, einen Platz in der Nähe eines Orts, oder, wo kein Ort ist, einen Platz, in dessen Nähe hinlänglich Wasser ist.
Das erste, was sie dann vornehmen ist, dass sie die Lastthiere abladen, welches sehr geschwinde geht und worinn sie ausserordentlich geübt sind. Die Lastthiere wälzen sich dann mit ihren dicken Tragsatteln etc. Das Gepäck wird Alles neben und auf einander gelegt, und zwar so dass in der Mitte ein Platz zum Schlafen für die Reisenden und die Maulthiertreiber bleibt. Alsdann schlägt man in einem Halb- oder Ganzkreis kurze Pfähle oder eiserne Bolzen in die Erde, und führt einen Strick von einem zum andern, welchen man daran befestiget. An diesen dicht auf der Erde liegenden Strick werden die Lastthiere neben einander vermittelst Stricke angebunden. Dieser Kreis von Lastthieren ist nach ihrer verschiedenen Zahl grösser oder kleiner. Nachdem sie ein wenig ausgeruhet haben, führt man sie zur Tränke, und bey ihrer Rückkehr giebt man ihnen ihr Futter, Gerste.

Will man etwas haben

Will man etwas haben: so ist es entweder nicht da, oder das Anschaffen und zubereiten ist mit so vielen Umständen verbunden, dass einem die Lust dazu vergeht. Auch weiss hier Niemand für einen kranken Europäer zuzubereiten.
Die türkischen Suppen (Schorbet) sind gewöhnlich sehr unschmackhaft für einen europäischen Gaumen; übrigens ist Pilláu, ewig Pilláu, an der Tagesordnung. Dies ist zwar für den Gesunden ein gutes nahrhaftes Essen; aber für einen, der sich nicht wohl befindet, wird der Pilláu widerlich. Weinsuppen u.s.w. kennt man nicht, auch war hier kein Wein zu bekommen. Unter diesen Umständen würde ich wegen der Zukunft, da wir noch die beschwerlichste Strecke unserer ganzen Reise vor uns hatten, sehr bekümmert gewesen seyn, wenn mir nicht mein Temperament zu Hilfe gekommen wäre. Froh blicke ich nämlich immer voraus. Die Zukunft erscheint mir immer im Rosengewande; sie blüht, wie ein Blumengarten im Frühlinge. Zurück zu sehen macht mir weniger Vergnügen; die Vergangenheit ist weniger mein Freund; ihre Stirn ist zu ernst, oft getrübt.

30.10.1803, Sonntag, Seit unserer Abreise von Karamánn

30.10.1803, Sonntag
Seit unserer Abreise von Karamánn hatte ich nichts aufgezeichnet, theils meiner Schwäche wegen, theils weil ich meine in einen Schreibstift verwandelte Flintenkugel verloren hatte. Was ich ietzt also bis zu den letzten Tagen meines Aufenthalts in Antákia (Antiochia) schreibe, war meinem Gedächtnis anvertraut. Wie wenig ist es, wenn ich es mit dem vergleiche, was ich mir über die vorgekommenen Gegenstände hätte notiren können! Meine Sinnen waren schon sehr abgestumpft, und mein Gedächtnis war nicht empfänglich.
Heute fingen wir an, das hohe Gebirge zu besteigen, welches die Wasserscheidung von Kleinasien ausmacht, und welches sich in dieser Gegend dem Ufer des mittelländischen Meeres bis auf eine kleine Tagereise nähert.

Meiner Entkräftung und Unpässlichkeit ungeachtet musste ich

31.10.1803, Montag
Meiner Entkräftung und Unpässlichkeit ungeachtet musste ich doch heute mein Pferd wieder besteigen, wozu ich aber fremder Hülfe bedurfte. Wir hatten heute einen Weg von 10 Stunden zurückzulegen, bis an eine Stelle, wo ein Brunnen ist und welche Zatálzesmé heisst. Indessen ein Haus trafen wir auch hier nicht.
Was ich ietzt also bis zu den letzten Tagen meines Aufenthalts in Antákia (Antiochia) schreibe, war meinem Gedächtnis anvertraut. Wie wenig ist es, wenn ich es mit dem vergleiche, was ich mir über die vorgekommenen Gegenstände häte notiren können! Meine Sinnen waren schon sehr abgestumpft, und mein Gedächtnis war nicht empfänglich.
Heute fingen wir an, das hohe Gebirge zu besteigen, welches die Wasserscheidung von Kleinasien ausmacht, und welches sich in dieser Gegend dem Ufer des mittelländischen Meeres bis auf eine kleine Tagereise nähert.

Ohne Zweifel hatte mich meine Krankheit nahe, sehr nahe an den Rand

Ohne Zweifel hatte mich meine Krankheit nahe, sehr nahe an den Rand des Grabes gebracht; meine Kräfte waren gänzlich erschöpft; nur ein kleiner Ruck mehr und ich wäre sicher in dasselbe gestürzt. Dies fühlte ich selbst, und daher machte ich mich schon gefasst darauf. Der Todt ist sicher iedem Geschöpfe ein unwilkommener Gast. Freylich stieg mehrmals der Gedanke in mir auf: wärest du ietzt in deinem Vaterlande geblieben und hättest diese beschwerliche Reise nicht angetreten, vielleicht hättest du dieser Krankheit ausweichen können.
Nein diese schmerzlichen Gedanken sind nicht immer dauernd. Man wird es bald gewohnt, krank zu seyn; die Kräfte des Körpers schwinden immer mehr, und auch die Kräfte der wirkenden Organe und das, was wir Seele nennen, ein Produkt unserer gesammten Körpermaschine. Man fühlt immer mehr eine Betäubung nähern, in welcher zuletzt der Körper alle seine Wirkungen aufgiebt; oder er in den Zustand versetzt wird, den wir Todt nennen. Obgleich ich mich ganz und gar nicht von einer Fortdauer nach dem Tode überzeugen kann, nämlich wie die meisten Menschen glauben, und die meisten Religionslehren sie schildern: so fand ich mich dadurch doch nicht beunruhiget. Ich wurde weder durch die Aussicht in ein künftiges Elysium erfreuet, noch durch den Anblick eines Fegfeuers, Tartarus, Hölle u.s.w. erschreckt; ich war gleichgültig. Ich war nicht unglücklicher, als die Menschen in diesen Augenblicken im Durchschnitte sind, die eine Fortdauer nach dem Tode glauben; denn obgleich einige vielleicht durch die sichere Hoffnung, ins Paradies überzugehen, alsdann erfreuet werden, so giebt es auch wieder andere, welche in ungewisser Erwartung stehen und noch andere, welche den Höllenschlund vor sich geöffnet sehen. Die Gefühle des Sterbenden scheinen mir im ganzen genommen nicht so schrecklich, als der lebende Mann sie sich vielleicht einbildet, wenn er den Kranken in seinen letzten Stunden beobachtet. – Der Nachruhm ist dem Sterbenden eine Chimaere; aber der Wunsch, dass seine Familie und seine Freunde, die er schätzt, sich seiner immer freundschaftlich erinnern mögen, steigt mit ihm ins Grab. – Obgleich ich mich auf keine Art von einer Fortdauer nach dem Tode überzeugen kann, wie man sich dieselbe für gewöhnlich denkt: so bin ich im Gegentheile von unserer Fortdauer in der Natur aufs festeste überzeugt; denn von dieser belehren uns unsere Sinne; die einzigen Mittel unserer Belehrung, unserer Kenntnisse, unserer Weissheit, indem Alles, was ausser ihrer Erreichkraft liegt, nichts weiter als luftige Phantome und Chimären ist. Ich bin fest überzeugt, das die Grundstoffe unseres Körpers wieder zur Bildung anderer Wesen angewendet werden und dass sie von neuem in den ewigen Kreislauf der schaffenden Natur kommen. So wandern und wanderten sie in Milionen lahren in Thieren, Pflanzen, Mineralien, Luftarten, Wasser, Feuer u.s.w. Ob diese Grundstoffe einen Anfang und ein Ende haben, ob ein Wesen einst ihr Urheber war etc. Dies liegt ausser den Gränzen menschlicher Untersuchungen, und darf also nie der Gegenstand unserer ernsthaften Untersuchungen werden. Für uns, deren Geschichte in dem Vergleiche der Zeit (Vergangenheit und Zukunft) nicht einmal einem Tropfen in der vorhandenen Wassermasse gleicht, für uns sind sie ewig. Ein Schöpfer nach gewöhnlichen Begriffen ist für uns ein Nonens ein Phantom, indem es nicht möglich ist, uns ein solches Wesen deutlich zu denken. Was heisst Allwissend, Alweise u.s.w., wenn wir diese Wörter mit unserm Verstande fassen wollen? Nichts! gar nichts! Denn bemühen wir uns, etwas bey diesen Wörtern zu denken: so ist das Product unserer Bemühung immer etwas Menschliches, und dann ist es eine Eigenschaft, die nicht auf die Gottheit anpassend ist. Was ist Gott? Ein Despot mit Scepter und Krone? Ein Mann? ein Weib? Ein lupiter, Apol, Venus, Bacchus? Alt? Iung? Womit beschäftigt er sich? u.s.w. Man sieht, wie absurd iedes Bestreben sey, sich über die Gränzen unserer Sinne hinauszuwagen.
(Diese Gedanken müssen weiter ausgeführt werden.)

17.02.1806, Dräa

17.02.1806, Dräa, Montag
Ich nahm einen Verwandten des Abdallah zu meinem Führer an. Kein Pferd, Esel etc. war zu erhalten, aus Furcht für die Araber, besonders die Beni Szahhar. Ich musste mich also entschliessen, méslach zu gehen, d. h. in so schlechter Kleidung, dass es nicht möglich ist, dass die Araber etwas von einem nehmen können. Auf mein weisses Unterkäppchen legte ich ein altes zerrissenes Tuch und band es mit einem Leinwandfetzen um den Kopf fest. Ein gutes Hemd und einen Entary verbarg ich unter ein altes gänzlich zerrissenes Hemd, und eine gute leinene Unterhose unter einer alten zerfetzten. Ueber diese zog ich einen alten Abbáje an, der ebenfalls zerrissen war, und den ich mir von einem jungen Menschen geliehen, der den Schullehrer machte. Ueber die Fusssockel zog ich ein Paar alte zerrissene Schuhe an, wovon ich einen vermittelst eines Fetzens um den Fuss fest band. In die Hand nahm ich einen starken Stecken. So war ich in meinem Leben noch nicht ausstaffirt worden, und es möchte schwer gehalten haben, einen Bettler bey uns zu finden, der elender bekleidet war. Mein Bart bedeckte meinen Hals, und mein Schnurrbart meinen Mund. In der That, eine Vogel- und Kinderscheuche für mein Vaterland.

20.03.1806, Es Szalt,
Donnerstag

20.03.1806, Donnerstag, es Szalt
Das Wetter war unvergleichlich schön. Gestern besuchten wir die Rosenkranzdrechsler, welche in einer Grotte arbeiten. Sie arbeiten vorzüglich Buttnholz, bisweilen aber auch Önnâb und Johannisbrodtholz, die beide aber schwerer zu verarbeiten sind, als jenes. Önnâb liefert röthliche Korallen. Der Mann verfertigt täglich 10 - 60 Rosenkränze, jeden von 70 Korallen. Das Hauptinstrument ist der Meissel mit drey Spitzen, wovon die mittlere länger ist, als die auf jeder Seite. Man muss genau darauf sehen, dass die beiden Seitenspitzen von gleicher Länge sind; sonst geht das Drehen nicht gut von statten. Er ist platt und in einen runden Stiel eingefasst, welcher am andern Ende eine dünne eiserne Achse hat, die man in den Stock steckt, da man dann den Meissel mit dem Bogen dreht.

Der Drechsler hält mit der linken Hand die kleine Holzscheibe an den Meissel und dreht so lange, bis die mittlere Spitze das Holz durchbohrt hat; dann fängt er von neuem an, bis endlich die ganze Seite auf diese Art gebohrt ist. Dann wendet er das Brettchen um, und bohrt die andere Seite, wozu ihm immer die vorhandenen Löcher die Stelle angeben, und so fällt eine Koralle nach der andern heraus, die er in die Hand fallen lässt. Die Arbeit geht sehr geschwind. Diese Korallen brauchen alsdann nur noch geglättet und von dem hervorragenden Rande befreit zu werden. Dies geschieht zu Bethlehem. Man zahlt für 70 Korallen nur 2 Para, für den Faden 2 Para, und für das Kreuz 2 Para. Sie arbeiten 3 - 4 Monate hier und kehren dann nach Bethlehem zurück. Die Rosenkränze für die Franken enthalten gleichfells 70, aber nach je 10 Korallen eine rothgefärbte Koralle für das Vaterunser. Für die fränkischen Geistlichen sind 150 Korallen nothwendig, die dann etwa das Doppelte kosten. Kleinere Korallen, als die gewöhnlichen, kosten auch etwas mehr. Man verfertigt auch theure Rosenkränze aus Perlenmutterschaalen und aus indischen Saamen, Dôm und Kúrrma. Sie arbeiten beständig für Terra Santa; für die übrigen Klöster äusserst wenig. Man verfertigt auch Modelle vom heiligen Grabe, von der Kirche zu Bethlehem etc.

Allein, ich setzte auf dieser Reise

Allein, ich setzte auf dieser Reise meine Instrumente gewissermassen aufs Spiel, weil ich einen neuen Weg durch die Wüste zu machen vorhatte, auf welchem ich nicht die Gesellschaft einer Kjerwane erwarten durfte. Am meisten war ich für meine Uhr besorgt, deren Verlust mir unersetzlich gewesen seyn würde, und dies bewog mich, auf ein Mittel bedacht zu seyn, um sie dem Auge der Beduinen, mit welchen ich diese Reise machen musste, und welche ich etwa unterwegs antreffen würde, zu entziehen.

Ich liess zu dem Ende ein kleines länglichtes Kästchen mit einem doppelten Boden machen, in dessen unterster Abtheilung ich dieselbe verbarg, deren oberste Abtheilung ich aber mit einer Art von Salbe füllte, welche ich durch hinzugefügten stinkenden Asand für etwaige Neugierige eckelhaft zu machen suchte; diese Abtheilung liess ich oben mit einem leicht zu öffnenden Deckel versehen. Unten und zur Seite aber liess ich das Kästchen mit Leder auf eine rohe Art überziehen, und legte es alsdann zu meinem kleinen Vorrath von sonstigen Arzneymitteln. Der Erfolg zeigte, dass ich mich in meiner Erwartung nicht betrogen hatte, und ich rathe jedem Reisenden, sich unter ähnlichen Umständen einer gleichen List zu bedienen. Mein übriges astronomisches Geräth liess ich in Leinwand einnähen, und die Reisetasche, worin ich sie aufbewahrte, gleichfalls sorgfältig zunähen.

Sues / Tur Vier Schiffe lagen segelfertig in El Gátes

31.07.1809, Sues / Tur
Vier Schiffe lagen segelfertig in El Gátes, der Rhede von Sues. Der besten Empfehlung von Kahira ungeachtet, erhielt ich dennoch meinen Platz auf dem allerschlechtesten Schiffe, welches seit lange dies Meer befahren haben mochte. Es war ganz neu, und diese Reise seine erste; aber es war aus allerhand Holz zusammen gestümpert, daß ich ein Krummholz so sehr von Würmern zerfressen sahe, daß ich es mit den Fingern zerreiben konnte.
Überdem war der Mast zu kurz, das grosse Segel zu klein, die Ladung groß, kein Boot zur etwaigen Flucht beym Untergange vorhanden, und der Steuermann klagte mir sein kurzes Gesicht, da doch ein scharfes Gesicht eines der wichtigsten Erfordernisse eines Steuermanns in diesen klippenvollen Meeren ist. Das Schiff hieß Abu el Cheir, vermuthlich ein Spitzname, weil man es dem Dinge ansah, daß sein Eigenthümer nicht viel Geld zum Bau herbey zu schaffen vermochte. Ausser der Schifts-Equipage bestand unsere Gesellschaft aus I5 Pilgern, Usbeckilschen Tartaren von Bochara, Türken, Mauren und Indier.

So entftanden nach und nach ein Plan von der beiligen Molchee

So entstanden nach und nach ein Plan von der heiligen Moschee, ein Plan von der Stadt, eine Karte von Mekka's Umgebungen, etwa 6 Stunden in der Runde umher; nebst 16 Prospecten vom Hárram oder der heiligen Moschee und deren einzelnen Theilen. Es können einst weit geschicktere Zeichner nach Mekka kommen; aber ich schmeichle mir, dass es ihnen nicht leicht fallen wird, mehr zu leisten, als ich leistete, weil – sie nicht dürfen. Alle Zeichnungen von dem Hárram in Mekka und Medine, wornach die Niebuhrsche, die Muradge, d' Ohssonische, und vielleicht andere entworfen sind, sind nach europäischen Begriffen unter aller Critik; ich habe ein halbes Dutzend davon von verschiedenen Zeichnern mitgebracht, und auch die beste von einem türkischen Effendy verfertigt, damit man sie mit den meinigen vergleichen könne. Wie ich es anfing, um diese Zeichnungen und Plane vor den Hárramèn entwerfen zu können, darüber ein Mehreres in meinem Tagebuch. Es find im Ganzen 27 Nummern.

Da indessen Niemand im Kloster war

Da indessen Niemand im Kloster war, der Arabisch lesen konnte: so wurde mein Bedienter zu einer Stelle der Gartenmauer geführt, die er vermittelst eines Stricks erstieg, und von wo er durch den Garten, und dann durch einen finstern engen gewölbten Gang ins Kloster geführt wurde, wo er sie dem Dolmetscher und dem Scheche der Kloster-Beduinen, der sich hier fast immer aufhält, vorlas.

Man gab nun zu verstehen, dass dieses Kloster ausser dem Gebiete jener beiden Paschas liege, und keinen Oberherrn anerkenne, als seine geistlichen Obern in Jerusalem und Kahira, und dass mithin jene beiden Pässe hier von wenigem Werth für mich seyen. Indessen man wolle die Sache in Ueberlegung nehmen. Man liess hierauf Schech Sibben kommen, um sich bey ihm nach uns zu erkundigen, und sein Zeugniss fiel so vorteilhaft aus, dass sogleich das grosse Tau herniedergelassen wurde, um mich nebst meinem Bedienten und kleinem Gepäck hinaufzuwinden. In dem Strick war unten ein grosses Auge befindlich, worin man sich setzt, während dem man sich mit den Händen an jenem festhält; zwey Leute drehen oben eine Erdwinde, und so steigt man langsam und ziemlich bequem in die Höhe. Man entschuldigte sich nun wegen meiner verzögerten Aufnahme mit den jetzigen kritischen Zeitläuften, stellte mich, weil jetzt kein Bischof vorhanden, dem Pater Guardian vor, und wies mir alsdann ein paar recht bequeme Zimmer in der Abteilung des Klosters, welche für Fremde bestimmt ist, nebst einem Mönch zu meiner Bedienung an. Sibben und Phauầs durften den Gesetzen nach nicht ins Kloster kommen; sie begaben daher sich noch am nämlichen Tage zu einigen bekannten Beduinen, welche sich in einiger Entfernung vom Kloster aufhielten. Obgleich mir ihre Ungefälligkeit in der Beantwortung meiner geographischen Erkundigungen missfiel: so muss ich doch im Ganzen die sorgfältigste Aufmerksamkeit rühmen, welche sie mir während der ganzen Reise erzeigten.

Es war mir nicht wenig auffallend, bey meiner Ankunft in Hebron schon ausserhalb der Stadt

Es war mir nicht wenig auffallend, bey meiner Ankunft in Hebron schon ausserhalb der Stadt allenthalben die Aufmerksamkeit der Leute zu erregen, und sie meine Beduinen fragen zu hören, ob ich der Christ sey, der Mádará besucht habe? Noch auffallender wurde es mir, als ich mich bey meinem Eintritt in den Ort selbst sogleich von einem Haufen Pöbels umgeben sahe, welcher die nämliche Frage wiederholte, und alsdann andern Herbeykommenden zurief: „das ist er! das ist der Christ!" indem man auf mich zeigte. Ich hörte aus ihren Reden, dass man sehr ungünstige Gesinnungen von mir hegte, und ein paar Knaben wagten es sogar, mit kleinen Steinen nach mir zu werfen.

Wir hatten stille gehalten, und Auâd war in die Stadt gegangen; wahrscheinlich hatte er aus Besorgniss für mich die Vorsicht gehabt, sogleich den Schech Abdallah Bédder aufzusuchen, welcher einige Zeit darauf erschien, und mich durch seine Gegenwart aus einer sehr unangenehmen Lage zog. Ich war abgestiegen, in der Absicht, mein Logis aufzusuchen, wurde aber sogleich von dem Pöbel umringt, und Etliche wollten sich der Papiere bemeistern, die ich in der Tasche hatte. Da ich voraus sahe, dass man sie zerreissen würde, und ich mein Tagebuch ungern verloren hätte: so wehrte ich mich, so gut ich konnte; indessen, obgleich sich etliche Bessergesinnte unter diesem Haufen für mich interessirten, hätte ich sie doch vielleicht nicht retten können, wenn nicht in diesem Augenblicke, wie gesagt, Abdallah Bédder gekommen wäre und mich in Schutz genommen hätte. Noch immer wusste ich nicht die Ursache dieses beleidigenden Betragens der Hebronner, zumal ich überzeugt war, dass ich vorhin durchaus keine Veranlassung dazu gegeben hatte.

Ich folgte dem Schech in die Stadt, und fand allenthalben, dass meine Gegenwart Aufsehn erregte, und dass man die vorigen Fragen wiederholte. Wir fanden vor einem Kaffeehause mehrere Vornehme der Stadt, welchen mich der Schech vorstellte, und alsdann begab ich mich in mein Logis.

Hier fand ich meinen Bedienten, welcher von dem Auftritt, der in meiner Abwesenheit vorgefallen war, noch in Verwirrung, erfuhr aber endlich von ihm den gewünschten Aufschluss. Er erzählte mir, gleich nach meiner Abreise sey ein Pöbelhaufe zu ihm gekommen, und habe ihm Vorwürfe gemacht, dass er, als ein osmanischer Unterthan, sich unterstanden habe, einen Franken, der gekommen sey, ihr Land auszuspähen, zu begleiten; denn noch nie sey ein Christ nach Mádará gewallfahrtet, und dies Vorgeben sey eine sichtliche Unwahrheit. Unter mancherley Bedrohungen gingen diese Leute von ihm zum Kady und zum Müfty, und gaben nicht nur mich und meinen Bedienten als Spion an, sondern beschuldigten auch den Schech Abdallah Bédder, dass er mir zu meinem Vorhaben behülflich sey, wofür er ohne Zweifel eine beträchtliche Belohnung von mir erhalte. Diese beiden Rechtsführer versammelten also alle Scheche von Hebron, liessen Schech Abdallah vorfordern, und wiederholten ihm diese Beschuldigung, indem sie hinzusetzten, dass es ihnen um so mehr auffalle, dass er sich dieses Ungläubigen angenommen, da es ihm bekannt seyn müsse, dass ich schon vor einem Jahr in Hebron gewesen, und die Namen der Ortschaften aufgeschrieben, wobey ich mich einer Feder ohne Dinte (Bleyfeder) bedient habe, welches ohne Zweifel ein Zauberinstrument gewesen seyn müsse. Sie setzten zu diesen Beschuldigungen die für ihn sehr beleidigende Frage hinzu: ob er vielleicht ein Christ geworden sey?

Abdallah entschuldigte sich und mich so gut, als er konnte. Er musste indessen der Stimme des Volks nachgeben, welches darauf drang, dass meine Sachen sogleich in Beschlag genommen und untersucht würden. Mehrere drohten öffentlich in der Versammlung, dass sie meinen Bedienten ermorden wollten. Die ganze werthe Versammlung begab sich jetzt in mein Logis, worüber mein Bedienter in nicht geringen Schrecken gerieth. Der Kady nahm das Wort und erkundigte sich nach meinem Vaterlande. Mein Bedienter gab mich für einen Engländer aus, weswegen der Kady ihn einen Lügner schalt. Dann fragte er: weswegen ich in diese Gegend käme und Alles aufschriebe? Anton antwortete: Es sey die Sitte aller fränkischen Reisenden, ihre Bemerkungen aufzuzeichnen, damit sie dieselben einst in ihrem Vaterlande wieder erzählen könnten.
„Ueberdem, setzte er hinzu, bitte ich, sich wohl zu bedenken, was Sie mit diesem Manne vornehmen; er hat einen Firmân vom osmanischen Monarchen und Pässe vom Pascha zu Damask und vom Pascha zu Akre." – Mehrere riefen: „schweig, Du vermaledeiter Hund! Verflucht sey Dein Vater und Deine Vorältern!" – Der Kady gab ihm indessen Recht, bestand aber darauf, dass meine Sachen untersucht würden. Dies geschah.

Als man in einer Reisetasche meine astronomischen Instrumente fand, rief man aus: „,Seht! seht. dies sind die Instrumente, welche er zu seiner Zauberey benutzt!"

„Gott behüte! sagte mein Bedienter; dieser Mann ist ein Sternseher und Arzt; und die Bücher und Papiere, die Ihr seht, sind medicinischen Inhalts." – Man liess einen Juden kommen, um die Bücher zu lesen; allein, er war es nicht im Stande. – Unglücklicherweise fand man beim Durchblättern der Papiere einen kleinen Zettel, worauf etliche Namen von vormaligen und noch vorhandenen Dörfern um Hebron arabisch geschrieben waren, und kaum hatte man dies gelesen: so riefen sie Alle, fast wie wahnsinnig, aus: „da haben wir's!" „da haben wir's!"

Manche drangen jetzt darauf, dass man meinen Bedienten bis zu meiner Rückkunft ins Gefängniss werfe, damit er nicht entwische und seiner verdienten Strafe entgehe, wovon er indessen auf Schech Abdallahs Fürsprache befreiet blieb.

Sobald sie ihn verlassen, schrieb er einen Brief an das Kloster von Terra Santa in Jerusalem, welchem er diesen Vorfall meldete, und fertigte damit im Geheimen einen Juden ab, welcher am folgenden Tage wieder mit einer Antwort zurück kam, welche ein Schreiben von Szejid Hassan, dem Müfty von Jerusalem, an den Müfty, Kady und alle Scheche in Hebron begleitete, worin diese gewarnt wurden, so wenig wider mich, als meinen Bedienten irgend eine Gewalttätigkeit zu begehen, indem er wisse, dass ich wirklich ein Arzt sey, und nichts weniger im Sinne habe, als das Geschäft eines Spions zu treiben, auch überdem mit einem Firmân vom Sultan und mit Pässen von zwey Paschen versehen sey. Er theilte dies Schreiben Schech Abdallah mit, welcher es in einer öffentlichen Versammlung der Obern und nachher in den Kaffeehäusern lesen liess, wodurch die Ruhe in dem Maasse wieder hergestellt wurde, dass man es nicht wagte, mich bey meiner Rückkunft mit grösserer Unhöflichkeit zu behandeln, als ich erzählt habe.

Die Veranlassung zu diesem sonderbaren Auftritt gab ohne Zweifel der nämliche Mohammedaner, bey welchem ich bey meinem ersten Besuche in Hebron logirt war. Dieser hatte sich Hoffnung gemacht, dass ich bey meiner Rückkunft wieder bey ihm abtreten werde, und dass er als Vermittler zwischen mir und einem Beduinen-Schech, der mich nach dem Sinaï führte, von mir einen beträchtlichen Vortheil ziehen werde, und welcher, da er sich in seiner Erwartung betrogen fand, sich auf eine solche Art zu rächen suchte.

Station: Constantinopel Besestene

Das Interessanteste für mich und wornach ich bisher immer vergebens gesucht hatte, waren zwey Reihen Buchhändler, wenn man diese Leute, die man in andern Städten höchstens Büchertrödler nennen würde, in Betracht dieses Orts so nennen wil. (...) Ich kaufte hier ein kleines türkisches, auf der einen Seite bedrucktes Octavblättchen, welches auf den Ramaddan bezug hat, für 5 Para.

1803
Wir kamen auf dieser Gasse einer Reihe von Gewölben vorbey, worinn kostbare mit Perlmutter und Schildkrötschalen ausgelegte Kästchen, Flintenschäfte, Pistolenschäfte etc. verfertiget wurden.
 Bald darauf waren wir unvermerkt bis an die Besestene gekommen, welche für mich den interessantesten Theil von ganz Constantinopel ausmachen. Die Besestene nehmen einen sehr weiten Raum ein und bestehen aus vielen sich durchkreuzenden Reihen von hohen Gewölbern, welche oben mit kleinen Kuppeln versehen sind. Diese Gewölber sind so weit, daß in denselben auf ieder Seite eine Reihe von Kaufmannsbuden angebracht werden konnten, und daß dennoch ein breiter Gang für die Käufer in der Mitte überblieb. In diesen Buden trifft man einen unermeßlichen Vorrath von allen Natur- und Kunstprodukten fast der ganzen Welt an, und möchte fast kein menschliches Bedürfnis zu erdenken seyn, wofür hier nicht gesorgt worden wäre; von der rohen Baumwolle bis zu den kostbarsten indischen Zeugen, von der rohen Seide und dem Kämelhaar bis zum theuersten Seidenstoffe und zum Shawl aus Persien, vom glanzlosesten Edelstein bis zum blendendsten Brillantringe, von der schwarzen Eisenstange bis zur silberglänzenden englischen Stahlwaare, vom Maismehle bis zum feinsten und delikatesten Zuckergebacknen, vom Wasser bis zum geistigsten Getränke, von der rohen Wolle bis zum kostbarsten Teppich u.s.w. Hier ist für ieden Stand, iedes Gewerbe, iedes Geschlecht und iedes Alter gesorgt; Man sieht die kostbarsten und schlechtesten Kleidungsstücke für Manns- und Frauenspersonen, Herrschaften und Sclaven und Sclavinnen, Windeln für kaum gebohrne Kinder und Leichensteine für Verstorbene. Kurz! Hier scheint nichts zu fehlen und alles im Ueberfluß zu seyn. Die Einrichtung gefällt mir besonders, daß alle Kaufleute, die mit einer und derselben Waare handeln, alle Handwerker und Künstler von einer Gattung ihre Buden alle neben einander haben, so daß man so gleich unter den Arbeiten, unter dem Vorrathe und unter den Preisen Vieler zu wählen mi Stande ist.
 Man kann leicht denken, daß dieser Ort sehr häufig besucht wird. Eine unermeßliche Menge Volks strömt immer aus und ein und durchkreuzet die sich in rechten Winkeln durchschneidenden Gängen. Hier ist unstreitig das größte Gewühl in dieser Stadt. Am gedrängtesten war es aber an den Stellen der Gänge, wo weibliche Kleidungsstücke und Putzwaaren verkauft werden. Hier sahe man eine Menge Augen und Nasen von Frauenspersonen denn das Uebrige war alles hinter dem türkischen Schleiertuche versteckt - und eine große Anzahl Mannspersonen drängte sich zwischen ihnen durch.
 Man trifft hier die meisten Handwerker und Künstler, Schneider, Schuster, Sattler, Holzarbeiter, Juwelirer, Schmiede etc., welche, während dem sie ihre Waaren verkaufen, fleißig arbeiten.

Station: Constantinopel Unter Europäern

Um 3 Uhr gingen wir zum preußischen Gesandten zum Mittagstisch. Wir fanden schon die eingeladene Gesellschaft größtentheils versammelt. Er machte uns mit seinen Schwiegereltern (dem holländischen Ambassadeur), seiner Gemahlinn, und deren Bruder, der schon einige Höfe, Paris, London, Würtenberg und Stockholm bereiset hatte und hier bloß zum Besuche war bekannt. Der Gesandte stellte uns Einige Herrn von der Gesellschaft als Reisende dar, welche Syrien, Arabien und Afrika bereisen wollten.

14.01.1803
Dem Herrn Baron war kürzlich ein iunger teutscher Arzt empfohlen worden; anfänglich glaubte er, daß ich derienige sey. Er bedauerte, daß er uns heute nicht zum Mittagstische bey sich sehen könne, da er heute außer dem Hause speisen würde. Indessen bäte er uns Morgen zu sich zum Diner. Ungemein mit unserer Aufnahme zufrieden, begaben wir uns zum Palais des Römisch Kaiserlichen Internuntius Baron von Stürmer, um dort unser Empfehlungsschreiben der Gräfin von Cobenzl, das wir in Wien erhalten hatten, abzugeben. Das ietzige Römisch Kaiserliche Palais war vormals die Wohnung des venetianischen Gesandten. Es liegt an dem Abhange des Berges, worauf Pera erbauet ist, nach der Seite des Kanals zu; und man muß von der Hauptgasse von Pera bis dahin ziemlich tief hinabsteigen. Es ist ein großes regelmäßiges langes Gebäude, auf der einen Seite 2 Stock, auf der andern ein Stock hoch (wegen des Bergabhanges).
(...)
Wir trafen den kaiserlichen Internuntius nicht zu Hause, wohl aber dessen Legationssecretär, einen iungen hübschen Mann, mit einer interessanten Gesichtsbildung. Er empfing uns sehr höflich, und wie er erfuhr, wer wir wären: so versicherte er, daß er uns schon aus der teutschen Zeitung des Herrn Hofrath Becker kenne, und daß er uns schon lange erwartet habe.
 Auch habe er den Aufsaz dem Herrn Internuntius bereits gezeigt etc. Ich klagte ihm, daß es mir gar nicht möglich sey, hier etwas Topographisches etc. zum Kaufe bekommen zu können. Sogleich bot er mir seine Bibliothek zum Gebrauche an, wenn ich etwas Brauchbares darinn fände. Ich bat ihn um Russels Naturgeschichte von Aleppo; einem sehr gehältvollen interessanten Werke. - Toderini habe vorzüglich nur gedruckte türkische Werke in seiner Litteratur der Türken angegeben; Manuscripte weniger. Herbelot sey für Kenntniß der orientalischen Litteratur am vollständigsten; er habe vorzüglich ein arabisches Werk zu dem Ende benutzt. Mit dem Ankaufe müsse man sich nicht selbst abgeben, sondern Andern die Titel der gewünschten Werke mittheilen und ihnen die Commission zum Ankaufe übertragen. In diesem Falle erhalte man sie wohlfeiler. Wolle man indessen neue Entdeckungen machen: so müsse man freylich die Bücherläden selbst untersuchen. - Die türkische Druckerey in Scutari enthalte ietzt 8 Pressen und sey thätig. Er zeigte mir ein neues persisch-türkisches Wörterbuch in klein Folio, welches in der Druckerey gebunden 30 Piaster kostet. Ferner erfuhr ich von ihm: daß dort ietzt an einem großen geographischen Wörterbuche in türkischer Sprache und an einem ansehnlichen Atlasse gearbeitet werde. Er empfahl uns, das Kloster der Tanzenden Därwischen dort zu besuchen. - Wegen der Pest rieth er uns, ietzt sehr auf unserer Hut zu seyn, da sie ietzt sehr gefährlich sey! - Wollen Sie Arabisch lernen, sagte er, so reisen Sie nach Aleppo, wo Jedermann diese Sprache und zwar gut spricht. Mancher ziehe diesen Dialect dem Dialecte der gebohrenen Araber sogar vor. Ueberdem ist Aleppo ein großer interessanter Ort.

Station: Constantinopel Buchdruckereien

Da ich die türkische Buchdruckerey in Scutari noch nicht gesehen hatte und willens war, einige dort gedruckte Werke zu kaufen, so hatten wir heute dazu festgesetzt. Der Ungar, unser künftieger Dolmetscher und Cicerone, begleitete uns. Der Wind wehte heute noch ziemlich stark, und das Wasser im Canal schlug starke Wellen. Nur wenige Gondoliers hatten ihre Gondeln ins Wasser ausgesetzt. Wir mietheten auf dem Platze im Tophanä eine Gondel mit 2 Ruderern für 30 Para, weil ein Ruderer nicht im Stande war, die Wellen zu durchschneiden.

22.02.1803, Dienstag

Wir haten gehört, daß in dem kaiserlichen Schlosse Ainaly Kanak hinter Tärshanä am Hafen eine türkische Buchdruckerey befindlich seyn sollte. Ich war sehr begierig eine solche Anstalt zu sehen um zu untersuchen, ob sie auch von unsern Druckereien verschieden, wie viele Pressen vorhanden etc. Giebt es wohl irgend eine Fabrik, die für das menschliche Geschlecht wichtiger ist und unsere Aufmerksamkeit in einem höhern Grade verdiente, als die Buchdruckereien? Sind sie es nicht, die die Kenntnisse von vielen Jahrhunderten und von Tausenden gelehrten Männern für die Ewigkeit erhalten, und die es völlig unmöglich machen, daß nach diesen Zeiten der Cultur und Aufklärung einst wieder eine Zeit der Unwissenheiten eintreten könne? Häte man zu den Zeiten Homers, der alten Egypter glücklicherweise schon die Buchdruckerkunst gekannt und benutzt, auf welcher hohen Stufe müßte alsdann die Mase unserer Kenntnisse stehen! Ist es nicht zu bedauern, daß alle
 ihre Geistesanstrengungen, ihre Nachtwachen etc. für die Welt völlig ohne Nutzen waren!

Station: Constantinopel Osterfest

19. April (Dienstag)
Wetter, wie gestern.

Da heute der letzte Tag des Osterfestes war: so begaben wir uns schon Vormittag nach den Begräbnißplätzen. Wir fanden dort alles, wie gestern; eben die Lustbarkeiten; eben die Volksmenge; eben die herschende Freude. Die türkische Wache forderte auch hier manche Vorübergehenden auf, ihr Scherflein auf ihr ausgebreitetes Tuch zu werfen. Franken muthen sie dies aber nie zu. Daß diese nun in allen Stücken freyer sind: so sucht ein Jeder, der es nur möglich machen kann, sich unter den Schutz eines hiesigen Gesandten zu begeben, welches den Unterbedienten bey einer solchen Gesandtschaft oft sehr einträglich werden soll.

18.04.1803
Montag
 Wir fuhren nach Tophanã hinüber, um desto eher nach den Begräbnißplätzen von Pera zu kommen, wo die Armenier und Griechen ihr Osterfest mit allerhand Spielen feiern. In Tophanä strömte uns eine Menge Volks entgegen, was von dort schon wieder zu Hause eilte. Vor dem Kaffeehause bey dem Wassermagazin außerhalb Pera saßen sehr viele Türken etc. im Freyen, welche die Volkshaufen vorbeygehen sahen. Eine Menge Frauenspersonen saß am Wege, um dasselbe zu sehen. Hinter dem Wasserbehälter und der Fontäne zieht sich längs den ausgedehnten Begräbnißplätzen der Fränken und der Armenier eine schöne Weide hin, welche so, wie iene, mit einer großen Menschenmenge besäet war, deren Zahl sich auf etwa 8-9000 belaufen mochte. Sie bestand aus fast allen Religionen und Nationen des türkischen Reichs, Männer, Weiber, Kinder, Reiche und Arme im buntesten Gemische unter einander. Alles schien vom ungetrübtesten Frohsinn belebt zu seyn. Welche Mannigfaltigkeit der Kleidungsstücke, der Physiognomien, der Handlungsweise! Griechen tanzten mit einer besondern Grazie ihren Reihentanz; ihre Schläfe war mit gelben Narcissen geschmückt. Der Anführer tanzte mit einer seltenen Leichtigkeit auf dem grünen Rasen. Bald bildete die Reihe einen Halbkreis, bald einen Kreis, der iedoch nicht geschlossen wurde, bald war er geschlängelt etc. Auch in den Schritten herrschte mancherley Abwechslung; bisweilen fielen alle zugleich auf ein Knie, bald auf beide Knie; dann thaten sie wieder einen Sprung etc. Ihre Musik bestand aus einer kleinen dreysaitigen, und einer andern mandolinenförmigen mehrsaitigen Violine. Durch Schnupftücher wurde die Reihe verlängert. Einige Schnellwagen waren aufgerichtet für Neugierige und iunge Leute, die die Schwere ihres Körpers zu wissen wünschten. Alerhand Erfrischungen nach hiesiger Art wurden herumgetragen; Oel- und Schmalzkuchen, kleine arabische Sandtorten, Helwa; Zukkerwerk Wälsche und Haselnüsse etc. Hier bot ein Mewladärwisch mit seinem Schlauch auf dem Rücken Wasser umsonst aus, aus Erfahrung überzeugt, daß er seine Mühe dadurch zehnfach besser bezahlt erhalte, als wenn er Geld dafür forderte. „Bosa! Bosa!" rief ein Anderer, der mit einem großen Kruge herumging, und dies bekannte Getränk anbot. „Scherbet, süßer Scherbet!" riefen andere. Einige Scherbetverkäufer suchten die Vorübergehenden durch ein Klingelspiel, welches durch eine kleine hydraulische Vorrichtung in Gang gesetzt wurde, auf ihre Boutiken aufmerksam zu machen. An mehreren Stellen wurde Kaffee geschenkt, nirgends aber Wein und Brandwein. Beym Anfange der fränkischen Begräbnißplätze saßen einige Leute, die unter einem Tuche etwas verdeckt hielten. Man mußte etliche Para geben, um es zu sehen. Es war eine armenische Bischofsmütze von reichem Goldstoffe und goldenem Zierrath, ein silberner Abendmahlskelch etc. Dies ist eine besondere Art Betteley. Ein Anderer hatte einige noch nicht bezahlte armenische Kirchenbücher auf einem Tuche liegen; auch dazu warfen fromme Christen Para's auf daselbe. Um ein altes zerlumptes Webi versammelt sich eine Menschengruppe. Sei singt und tanzt dabey. Man lacht darüber, und giebt der Bettlerinn ein paar Para. Ein Mann hat einen Vorrath von kleinen Raqueten, Schwärmern, Fröschen etc. Bald kommt Dieser, bald Jener, besonders Knaben kauften ihr Einiges ab; brennt sie ab, oder läßt sie ni die Höhe steigen und ergötzt sich über den Knall und über die Freude oder den Schrecken der Zuschauer.
Ein kleiner sehr dicht gedrängter Kreis. Ich nähere mich, horche und höre die Töne eines Sängers, der seinen Gesang mit dem Tanbuhr begleitet. Kaum kann ich ihn in dem dichten Kreise gewahr werden, so sehr drängt sich ieder recht dicht an ihn, um ihn so recht genießen zu können. Er sitzt auf der Erde. Er sol der geschickteste Sănger diesseits des Hafens seyn. Hie und da stehen gesattelte Pferde für Knaben, die sie auf etliche Minuten miethen, und damit herum traben. Dort sind ein paar Gruppen tanzender Armenier. Ein Musikant, der eine große grelltönende Schallmey bläset, belebt die eine Gruppe; ein Dudelsackbläser die andere. Gewöhnlich tanzen sie einen Kreistanz, wie die Hora der Wallachen; bisweilen ist der Kreis aber auch nicht geschlossen. Ein paar Türken tanzten mit. ,Ihr seid wohl gute Freunde der Türken? fragten wir einen neben stehenden Armenier. „Freylich!" sagte er. Ein Türke hörte es, der an ihm stand. Freunde? Schien er verwundert, zu fragen; „Brüder sind wir in unserer Heimath!" - Eingeselztes Weißkraut und Gurken werden häufig [ge]gessen. Sauerampfer sahen wir viele ohne alle Zubereitung für sich essen. So essen die Armenier allerhand Sallat etc. Allenthalben werden die Volkshaufen von der Wache durchkreuzt, die ungemein aufmerksam ist.
Viele bunte verzierte Kasten, die auf kleinen Rädern ruhen, werden herumgezogen. Sie sitzen voll von Kindern und auch sieht man bisweilen einzelne erwachsene Frauenspersonen darinn.
Es bilden sich hier und da größere Kreise, von vielleicht tausend Zuschauern. Zwey Männer von athletischem Körperbau, ganz nackt, bis auf eine kleine dicht anschließende lederne Hose, erscheinen auf dem kleinen runden Platz. Es sind Ringer. Man gießt ihnen Oel auf den Nacken, daß es ihnen an dem Oberleib hinabrinnt. Sie bestreichen ihre Beine, ihre Hosen, klatschend, damit. Einige gießen sogar noch ein paar Hände voll in ihre Hosen. Sie gehen einige male den Platz auf und ab. Ihre Kopfhaare sind kurz abgeschoren; einige haben sie sogar größtentheils nach hiesiger Sitte rund herum rasiren lassen. Mit feierlichem Anstande läßt sich Jeder zwey mal nach einander auf ein Kniee nieder, bückt sich vorüber, berührt mit der rechten Hand die Erde und dann seine Stim, welches er wiederholt. Dann stehen sie auf, kehren sich den Rücken zu, schlagen die Hände zusammen, wenden sich gegen einander mit ausgebreiteten Armen und berühren sich mit den ofenen flachen Händen. Auch dies wird wiederholt. Nach der letzten Ceremonie küssen sie sich auch wohl wechselseitig die Schulter. Dann gingen sie den Kampfplatz wieder ein paar Mal auf und ab, und nun fingen sie ihren Kampf an. Sie stemmen mit aller Foror die Köpfe gegen einander; suchen sich ihre Arme um die Hälse zu schlingen; die Arme um einander; einer sucht des Andern Schenkel zu ergreifen, welches aber nicht leicht ist, weil der Andere dies beständig zu verhüten sucht, und weil es überdem schwer fällt, denselben wegen der glatten Hosen fest zu halten. Ist es einem von ihnen geglückt, den andern auf den Rücken zu legen: so ist er der Sieger; sollte dieser den Kampfplatz verlassen, nehmen zwey Andere ihren Platz ein; so lange er aber auf dem Bauche liegt, ungeachtet dieser auf ihm liegt: so ist das Gefecht noch nicht geendigt. Bisweilen sind die Kämpfer so hitzig, daß sie sogar Wunden bekommen. Hat endlich einer den andern besiegt: so hebt der Sieger den Besiegten auf und küsst ihm die Schultern. Bisweilen begrüßt er auch wohl wieder die Erde. Sie gehen alsdann beide bey dem Kreise herum und sammeln sich Trinkgeld. Einige gehen während der Kämpfe mit Stöcken in dem Kreise herum, um die Umstehenden zurückzutreiben, andere vorsang. Eine andere Gruppe Armenier tanzte nach den Tönen einer dreysaitigen Geige. Andere hockten zusammen, um gefärbte rothe Eier an einander zu stoßen; wer das Ey eines andern einstieß, gewann dasselbe; ein Spiel, was mir in meiner Jugend am Osterfeste viel Vergnügen machte. - Wiederum andere spielten eine Art Würfelspiel; ein rundes Brett, wie das Drehbrett bey uns, nam die Figur eines Sterns ein, dessen Strahlen vom Mittelpunkte aus liefen und alle in der Farbe von einander verschieden waren. Nun hatte man einen Würfel, welcher so viele Seiten hatte, als der Stern Strahlen, und zwar von den nämlichen Farben. Durch denselben ging ein kleiner Stift, drehte man ihn mit den Fingern schnell kräuseln konnte. Die Strahlen wurden besetzt, und derienige, dessen Farbe der obern Seite des ruhenden Würfels übereinkam, gewann seinen Einsatz zehnfach, dahingegen alle übrigen Einsätze an den Inhaber des Spielbretts fiel. Dieses Spiel heißt: [...]. Ein anderes Spiel wurde mit einer kleinen Kugel gespielt. Dies ist aber auch in Teutschland bekannt z. B. auf dem Schützenhofe in Jever. Gegen Abend gingen wir nach Hause; die ganze Hauptgasse von Pera war gedrängt voll von Menschen; ein kleiner Trupp Griechen tanzten dennoch ihren Reihentanz nach Hause.

Station: Halep Aufstand gegen den Pascha

30.06.1804
Ich hatte gerade meinen Lehrer im Arabischen bey mir, als wir heute Morgen um 10 Uhr auf einmal ein plötzliches Geschrey in den Basaren und ein Geräusch von den Klappen und Thüren, die verschlossen wurden, hörten. Mein Logis ist über den Basaren gebaut, so dass man aus demselben in etliche Basare sehen kann. Eine Menge Volks strömte durch dieselben, fast lauter Türken, denn Juden und Christen sind bey solchen Vorfällen zu furchtsam, um sich öfentlich zu zeigen. Man sahe eine Menge einzelne Soldaten des Pascha und Gruppen derselben die Basare durchstreifen; alle mit Pistolen, Hándsjahr, Flinten und Trombonen bewaffnet. Es waren fast lauter Arnauten , deren Tracht viele Aehnlichkeit mit der Tracht der alten römischen Soldaten hat und die hier sehr gefürchtet werden. Und in der That haben auch diese Leute ein ungemein kriegerisches Ansehen. Ihr Gang ist rasch, stolz und ungezwungen, und ihr Körperbau ist durchgängig athletisch.Eigentlich Uniform tragen sie nicht, indess sind doch die Meisten ziemlich gleich gekleidet. Unser Chan wurde des Aufstandes wegen verschlossen. Von einem Maroniten erfuhren wir, dass in der beträchtlichen Vorstadt Bankúsa zwischen etlichen Scherihf und Soldaten des Pascha etwas vorgefallen sey, welches Gerücht sich schnell in die Basare der Stadt ausbreitete und daselbst das Verschliessen aller Läden bewirkte. Man glaubt, dass man die Absicht habe, das Serai des Pascha zu bestürmen, weil man ihn seiner Avanien wegen aufs äusserste hasst und ihn weniger fürchtet als seinen Vater, während dessen Hierseyn kein Aufstand aufbrach. Auch den hohen Preis des Getreydes, der der vollendeten Ernte ungeachtet fortdauert, macht die Einwohner aufsätzig. Obgleich der Pascha in allem an 5000 Mann Truppen haben soll, woran ich indess sehr zweifle, so würde es den Einwohnern nicht sehr schwerfallen, ihn zu besiegen und abzusetzen, wenn sie alle einig wären. Allein der eingewurzelte Hass unter den Janitscharen und Scherihf erlaubte diese Vereinigung nicht. Es gehen etliche Soldaten des Pascha in den Basaren herum, um den Kaufleuten zu befehlen, dass sie die Laden und Kafeehäuser wieder öffnen; allein bis ietzt (111⁄2 Uhr) wagt es noch Niemand. Man versichert ietzt, dass die Einwohner von Damask , die wegen ihrer Störrigkeit und Rauheit hier berüchtiget sind, ihren Pascha Ibrahim, Vater des hiesigen Pascha, aus der Stadt geiagt haben. Um 4 Uhr hiess es, die Arnauten hätten in den Basaren geraubt; man habe viele von ihnen getötet. Die Uebrigen hätten sich in etliche Moscheen geflüchtet.

(...)
Um 6 Uhr versicherte man, es seyen etliche 40 Arnauten und vielleicht eben so viele Scherihf in den Scharmützeln umgekommen.
Um 7 Uhr sahen wir in der Gegend von Bankúsa, einer Vorstadt, einen dicken Rauch aufstehen, und wie es ein wenig dunkler wurde, sahen wir von der Terrasse die Flammen. Man weiss noch nicht gewiss, ob es ein Haus eines berüchtigten Avanisten (eines Scherihf und Spions des Pascha) oder eine Kaffeeschenke ist. Ich blieb bis nach eilf Uhr auf der Terrasse. Von Zeit zu Zeit hörte man in der Ferne ein Geschrey und viele einzelne Flintenschüsse. Das Feuer war noch nicht völlig gelöscht.

01.07.1804
Die Sachen stehen noch schlimmer als gestern. Man hört beständig Flintenschüsse. - (...) Heute hat man viele Christen mit den Muslemihn sich zum Gefecht wider die Soldaten vereinigen sehen. - Von den Moscheen ist heute nicht gerufen worden zum Gebet. - Im Lebbna-Chan hatten sich unterschiedliche Arnauten retirirt, und sie vertheidigten sich tapfer. Diesen Nachmittag hat man die Thür verbrannt, ist hineingedrungen und hat sie meistentheils umgebracht. (...)

02.07.1804
(...) Ales dauert fort, wie gestern; man hört Schüsse, aber nicht so viel als gestern; die Arnauten rauben; von den Moscheen wird nicht zum Gebet gerufen. (...) Entweder in dieser Nacht oder Morgen wird es wahrscheinlich ein hitziges Gefecht geben. Ale Thore der Stadt und der Basare sind verschlossen und zum Theil vermauert, um das Eindringen der Arnauten zu vermeiden. Auch in dem Quartier Beilúhn haben viele ihre Hausthüren vermauert. (...)

12.08.1804
Noch immer ist unsere Stadt im Belagerungszustande. Die ganze Nacht hindurch hört man das Geschrey und die Flintenschüsse der wachthabenden Bürger. Man hoft in weniger Zeit, den Entschluss der Pforte zu erhalten.

26.09.1804
Um 9 Uhr heute Vormittag entstand ein plötzliches Lermen; man verschloss in Eile alle Boutiquen in den Basaren, und Jedermann rannte mit Geschrey nach seiner Wohnung, um sich zu bewafnen und dem Pascha entgegen zu ziehen, welcher sehr nahe seyn sol und wie gewöhnlich die Stadt bedroht. Ich bin begierig, wie endlich der Ausgang seyn wird. (...)

30.09.1804
Heute war ein heftiges Gefecht zwischen den Truppen des Pascha und den Einwohner von Halep. Es fing gleich nach Mittag an und dauerte bis 2 Stunden nach Sonnenuntergang. Es waren etwa 50 Mann von des Paschas Leuten bis nach Schech Ubeckt, 1⁄4Stunde von Halep, gekommen. Gegen diese rückten etwa 40 Mann Haleppiner aus. Während dem sie einander attaquirten, wurden letztere von Letztere durch mehrere 100 ihrer Mitbürger, die ihnen zu Hülfe eilten, unterstützt. Allein, bald erhielten iene ebenfalls Unterstützung von 2000 Mann, wie man versichert. Das ungleiche Gefecht nöthigte die Bürger, sich vertheidigungsweise näher nach der Stadt zu ziehen. Hier einigten sie sich mit allen bewafneten Bürgern, und nun wurde das Gefecht sehr heftig, wie wir von unserer Terrasse hören konnten. Es wurden gleichfalls mehrere Kanonenschüsse gethan. Die Arnauten und Daláti, Truppen des Pascha, haten die Obstgärten (Kruhm), welche mit Oelbäumen, Feigen und Pistazienbäumen besetzt sind, eingenommen. Allein endlich mussten die Truppen weichen. Man versichert, es seyen von beiden Seiten unterschiedlich auf dem Platze geblieben. Das Hauptgefecht war auf der Ostseite der Stadt ausserhalb der Vorstadt Bankúsa.

02.10.1804
Nachmittags machte ich einen Spatziergang, um die auf der Ostseite der Stadt befindlichen bewafneten Bürger zu sehen. In den Gassen der Vorstadt Bankúsa und der andern dortigen Quartiere traf ich viele Bewafnete an, besonders vor den Kaffeehäusern, welche ruhig ihren Kaffee tranken und ihren Tabak rauchten. Kaum war ich in der Nähe des Derwischklosters Bába Béram ein paar hundert Schritte ausserhalb dem Thore, welches halb mit Steinen verrammelt war, aufs Feld gegangen, um von dort nach Schech Arabi, einer andern Vorstadt zu gehen, so hörte ich etliche Stimmen rufen: „Kehre um, kehre um!" - Gleich darauf kamen Bewafnete Querfeldein auf mich zugelaufen und kündigten mir an, dass sie mich zu ihrem Chef führen müssten. Ich traf ihn nebst mehrern Bewafneten in einem in der Nähe befindlichen Wachthause an. Man fragte, wer ich sey. Ich sagte ihnen, ich sey ein Franke und wünsche die Vertheidigungsanstalten der Bürger zu besehen. Sobald sie hörten, ich sey ein Franke, nöthigte man mich zu sitzen; das Haupt, ein Jänitschär, befahl, mir Kaffee zu reichen und bot mir seinen Närgihl an. Man gab mir gern die Erlaubnis, die Anstalten ihrer Mitbürger zu besehen. - Da die Truppen des Pascha's sich nach Baballa zurückgezogen haben, so waren ietzt ausser der Stadt nur wenige Bürger befindlich. Man sahe hier und dar nur eine Schildwache stehen. Sie hatten Kübbe el Hindi, ein Därwischkloster von einigen par Mönchen, und Schech Ubéckr oder Abubeckr besetzt. Auf den Mauern der Vorstädte waren in bestimmten Entfernungen Zelte aufgeschlagen, worinn die Bürger die Wachen versahen. Auch fand ich dort mehrere Fahnen von verschiedenen Farben aufgesteckt. Man war daselbst sehr aufmerksam, und ich glaube, es wird sehr schwer halten für den Pascha, die Stadt zu überwältigen, wenn die Bürger einig bleiben. Gestern Abend brachte einer von den Leuten des Kapidschi báschi, der sich beym Pascha aufhält, einen Brief vom Pascha an die Häupter der Stadt. Man weiss aber noch den Inhalt nicht.

01.11.1804
Lange waren zwischen dem Pascha Mohammed und den Häuptern der Stadt ohne Erfolg Unterhandlungen gepflogen worden. Endlich kam es doch zur Aussöhnung, aber die Bedingungen sind für den Pascha ein wenig schwer. Er muss alle seine Arnauten abdanken, weil die Haleppiner einen unversöhnlichen Hass auf sie geworfen, da sie es waren, die in der Stadt bey der Revolution so vielen Schaden anrichteten. (...) Auch die Festung wird dem Pascha nicht überliefert, sondern bleibt in den Händen der Bürger. (...) Um 10 Uhr etwa marschierten alle bewaffneten Bürger nach Bába Béiram, einem Kloster der Därwische vom Becktaschorden, welches an dem nordöstlichen Rande der Stadt liegt. Sie waren mehrentheils zu Fuss und mit Flinten, Pistolen, Säbeln und etliche Berittene mit Lanzen bewaffnet. Hier bildeten sie auf ieder Seite der Landstrasse eine Linie, die beym neuen Seráih des Pascha's in der Nähe des Bab el Nassr in der Stadt anfing und bey Kúbbat el Hindi ausser der Stadt sich endigte. Ich nahm meinen Platz dicht neben dem Därwschkloster Bába Béyram, wo ich Alles aufs Beste sehen konnte. Die platten Dächer waren dicht mit neugierigen Zuschauern angefüllt. (...)

08.12.1804
Da die hiesigen Janitscharen ietzt wieder - so wie vor dem Pascha Ibrahim - die Oberhand haben, indem man vom ietzigen Pascha Mohammed auch nicht ein Wort hört, da seine Macht völlig annullirt ist, so sieht man auch ietzt im Monat Ramasán des Abends mehr Leben und Frölichkeit vor und in den Kaffeehäusern als im vorigen Jahre. (...)

16.02.1805
(...) Der Pascha verlangte eine Avanie von 20000 Piaster von den Nationen, d.h. von den levantinischen Christen in Halép. Sie konnten diese Summe nicht aufbringen; der Pascha liess daher den griechischen und den maronitischen Bischof, im gleichen den Praefect der Armenier ins Gefängniss führen; dieser Schritt wird wahrscheinlich die schnele Herbeyschaffung des Verlangten bewirken. Da der Pascha ietzt im besten Vernehmen mit den Scherihf steht, so fehlt es ihm ietzt nicht an hinlänglicher Macht, um seine Avanien wieder fortzusetzen. Den hiesigen Brodbäckern hat er vor etlichen Tagen 120 Makkak Weizen, den Schünbul zu 25 Piaster, aufgedrungen, obgleich der Weizen schon bis 15 Piaster gesunken war. Ein Makkûk hält 16 Schünbul; mithin macht dies eine Summe von 48000 Piastern, worauf er manche Tausende gewinnen wird. Ueberdem hat er das Kopfgeld erhöhet und lässt dasselbe ein paar Jahre im Voraus bezahlen. (...)

18.02.1805
(...) Der Pascha scheint grossen Geldmangel zu haben; (...)

28.02.1805 (...)

04.03.1805, 11 1⁄2 Uhr
Die Janitscharen haben in der ganzen Stadt die Oberhand; etliche bewaffnete Haufen von ihnen zogen durch die Basare an unsern Chân vorbey; einer von ihnen sang etliche Wörter und alsdann stimmte der Chor mit wildem Tone an. Um 1 Uhr zog der Chef der Janitscharen, Achmed ibn Homza, vorbey. Ausser den Janitscharen folgten viele Christen aus Neugierde seinem Zuge. Letztere sind ungemein zufrieden, dass die Janitscharen die Oberhand behalten haben. Ale Scherife sind ietzt in ihren Häusern versteckt. Man versichert, selbst der Pascha sey ietzt in Furcht und habe ein paar Kanonen zu sich in Schechubeckr bringen lassen, weil er einen Angrif von den Janitscharen besorgt, zu welchen, als der siegenden Parthey, sich ietzt viele Scherihfe geschlagen haben.

05.03.1805
Auch heute zeigten sich in den Gassen kleine Haufen von bewafneten Janitscharen, welche etliche Scherihfe suchten, die als Avanisten, d.h. als Spionen des Pascha, übel berüchtiget waren. Um 10 Uhr Vormittags fand man einen, der sich in einer kleinen Moschee versteckt hatte, aber entdeckt worden war. Seiner vielen Biten ungeachtet schleppte man ihn fort; man passirte ein Kafeehaus, wo viele Janitscharen waren, die er fussfälligst um Pardon bat. Es half alles nichts, und unter dem Vorwande, dass man ihn zu ihrem Chef führen wolle, brachten sie ihn bis in die Nähe unsers Chans, wo ihn einer seiner Führer unvermuthet hinterwärts in den Rücken mit einer Kugel schoss. Er stürzte; da er aber noch nicht todt war, so schnitt man ihn die Gurgel ab. Ich eilte hinzu, um mich davon zu überzeugen. (...)

06.03.1805
Heute ermordeten die Janitscharen wieder einen bekannten Avanisten. Es regnete des Morgens ein wenig. Ich ging in- und ausserhalb der Stadt spatzieren und fand alles ruhig.

07.03.1805 (...)

08.03.1805
Alles wie gestern. Man erwartet Gefechte. (...) Von Akre hat man Nachrichten erhalten, dass der rebellische Ismael Pascha immer mehr eingeschlossen ist, dass er in einem Scharmützel viele Soldaten verloren und dass er wahrscheinlich genöthiget seyn wird, sich zu ergeben. Er wird von Soliman Pascha, der zu seinem Nachfolger bestimmt seyn soll, eingeschlossen gehalten. - Auch von Cypern hat man Nachricht erhalten, dass der dortige Pascha mi Aufruhr sey. Kurz! wohin man sich wendet, sieht man Rebellen im osmanischen Reiche.

Station: Halep Kaffehäuser

Die hiesigen Franken halten es unter ihrer Würde, die hiesigen Kaffeehäuser zu besuchen. Indess scheint dies doch vorzüglich nöthig zu seyn, wenn man sich mit den Sitten, den Ideen, den Unterhaltungen der mittlern und geringen Volksklassen bekannt machen will.

#409 – 1804
Von den Handwerkern, Tagelöhnern etc. giebt es Viele, die weder lesen, schreiben noch rechnen können. Eben so ver- stehen die Meisten der Frauenspersonen von allen Volksklassen weder lesen, schreiben noch rechnen. Die vier hiesigen Klöster geben sich nicht mit dem Unterricht der Kinder ab, welches doch ihre Pflicht wäre. Unser ietziger Bedienter, ein lustiger Bursche von etwa 19 Jahren, ein Syrer Namens Anton, besuchte 12 Jahr lang die Schule und hat in die- ser ganzen Zeit so wenig gelernt, dass er kaum das arabische Alphabet kennt. Dies muss offenbar von dem fehlerhaften Unterricht herrühren; denn er hat in der That ausgezeichnete Talente und lernet eine Sache sehr leicht, wozu er Lust hat. In seinem Kopfe ist ein Magazin von klei- nen Gedichten, Sentenzen, Volksliedern, lustigen Anecdoten und Erzählungen, voll Einbildungskraft, Geist und Lebensphilosophie. Es ist in der That auffallend, wie sehr selbst die niedrigste Volksklasse solche oft geistvollen Sachen auswendig herzusagen weiss. Alle ihre Gesänge athmen von feuriger Liebe oder von beissender Satyre, und sie wissen von Harúhn el Raschid, von Sleimán,Lockman dem Weisen etc. oft sehr schöne Sachen mit Interesse vorzutragen. Um sich dies zu erklären muss man wissen, dass man sehr häufig in den vielen Kaffeehäusern öffentliche Erzähler antrift, wovon Manche wirklich studiren, um ihr Auditorium angenehm zu unterhalten. In den Kaffeehäusern trift man aber nicht bloss die mittlere, sondern auch die niedrigste Volksklasse an, welche für eine Tasse Kaffee, die einen Para kostet, einen ganzen Nachmittag daselbst verweilen und den Erzähler so gut hören können als der Reichere. Ihr immer geübtes Gedächtniss ist ausserordentlich gut, ihre Phantasie blühend, aber ihr Scharfsinn vernachlässiget.

Station: Halep Tabak

Der beste Toback, den man hier raucht, kommt vom Djibbel Lále (der hohe Berg), welcher 12 Stunden von hier entfernt ist. Dieser ist angenehm. Eine stärkere Sorte kommt von Missdreiuy (Miss-drei-u-y), welches weiter entfernt ist. Dieser geht mehrentheils nach Bagdad etc. Auch um Lattakía wächst vorzüglich guter Taback. Der Taback von Antákia soll aber nur mittelmässig seyn.

#334 – 26.12.1803
Es giebt hier einige Leute, welche sich bloss vom Reinigen der langen Pfeifenrohre nähren. Sie heissen Máhsill Galiúhny. Jetzt sind nur 12; vorhin waren Mehrere. Man giebt iedesmal für die Reinigung 1oder mehrerer Pfeifenrohre nur 1Para. Nichts destoweniger verdienen sie os viel, das sie dem Pascha bisweilen eine Avanie be- zahlen können. Sie tragen ein 6-7 Fus langes Rohr (Arundo Donax L.), worinn sie unterschiedlich lange Messingdrähte etc. zur Reinigung haben, zu welchem Ende sie auch Baumwolle etc. bey sich tragen.
 
Monatl. Corresp. 1804. FEBRUAR
 Bemerkungen über das Tabacksrauchen in der Türkey.
Der Kalian, wenigstens heilst dies Instrument
in Haleb fo, it ein gläfernes Gefäfs von ovaler Ge-
salt mit einem langen Halfe, welches gewöhnlich
an mehrern Stellen vergoldet ist. An diefes pafst man
einen metallenen, bisweilen flbernen Kopf, wel-
cher die Form eines kleinen Bechers hat, worin man
den Taback thut. Diefer Kopf hat mit dem’Gefäfse
durch eine gerade lange Röhre Gemeinfchaft , wel-
che in daflelbe bis Zweydrittel vom Boden hinein-
geht. Eine kürzere Röhre öffnet fich in dem Halse
des Gefälses nahe an der Spitze und beugt lich vom
Kopfe an, wie ein Bogen. Disle sind gewöhnlich
fehr schön gearbeitet und zuweilen vergoldet, oder
mit Schmelzwerk geziert. Soll diels Gefäls gebraucht
werden, fo füllt man es fo hoch mit Wasser an, dafs
die gerade Röhre erwa einen oder zwey Zoll tief un-
ter Wasser ift; und da der Kopf so angebracht ift, dafs
eine Luft durchkommen kann, aufser durch die
Röhre, fo macht man eine biegsame vier bis fünf
Schuh lange Pfeifenröhre an der kurzen feft.

Station: Halep Fabriken

1804, Halep

Noch einige Bemerkungen über die hiesigen Fabriken. Halep ist eine Fabrikstadt, und von der Blüthe der Fabriken hängt sein Wohl ab. Die Hauptfabrikation besteht in der Verfertigung gewebter Zeuge mit Ausschlusse der wollenen, und fast alle übrigen Arbeiten beziehen sich auf diese Fabrikation. Gilden wie in Europa finden hier nicht Stat. Jeder, der fähig ist, gewebte Zeuge zu verfertigen, treibt diese Arbeit entweder für sich oder für Rechnung eines Andern, und er hat nicht nöthig, eine öffentliche Probe von seiner Arbeit zu liefern. Im Durchschnitte verdient ein tüchtiger Weber täglich 3 Piaster. Man arbeitet in diesen Fabriken nicht in Taglohn, sondern erhält seine Bezahlung für iedes Stück, welches z. B. bey den Tschitára's gewöhnlich 10-1 Pik beträgt. Der handlangende Knabe in den Fabriken der geblümten Zeuge verdient wöchentlich 30-60 Para.
 Der Knabe wird Meister ohne gewisse Ceremonien. Da hier viele reiche Stoffe verfertiget werden, so kann man das Produkt eines ieden Webers täglich im Durchschnitt auf 10 Piaster annehmen, worinn sein Arbeitslohn mit begriffen ist. Kennt man nun die Zahl der Stühle und die Tage der Arbeit in einem Jahre, so kann man leicht den iärlichen Ertrag aler gewebten Zeuge berechnen und die Wichtigkeit dieses Gewerbes für diese Stadt einsehen. Herm Vaughon wurde die Zahl der Weberstühle auf 12000 angegeben. Dies scheint mir zu hoch. Mir gab man sie auf 8000 und nach andern nur auf 5000 an. Nehme ich von diesen etwas mehr als das Mittel oder 7000 an, rechne ich ferner 300 Arbeitstage - welches zwar zu viel seyn würde, wenn es bloss christliche Weber gäbe, weil diese zu viele Feiertage haben, welche Angabe man aber wahrscheinlich finden wird, wenn man bedenkt, dass die Mohammedaner äusserst wenige Tage mi Jahre haben, da sie nicht arbeiten ,-so beläuft sich das iärliche Produkt der gewebten Zeuge auf 21 Millionen Piaster! Hieraus kann man sich einen Begrif von der ausserordentlichen Wichtigkeit dieses Gewerbes für Haleb machen! Im Durchschnit kann man annehmen, dass ieder Weber 2 Piaster verdient. Mithin macht das Arbeitslohn nach obigen Voraussetzungen 4200000 Piaster.
 Die hiesigen Fabrikgebäude sind gewöhnlich unansehnlich, und da in iedem Zimmer mehrere Stühle sind, so ist oft der Raum sehr beschränkt.
 Die hiesigen Fabriken beziehen ihre nöthige Seide vorzüglich von Bursa und Antakia. Jene ist vorzüglicher als diese. Die Baumwolle zu den ordinären Geweben bezieht man aus der Nachbarschaft von den umliegenden Oertern und lässt dieselbe hier reinigen und spinnen. Zu den feinern Stoffen erhält man das Baumwolengarn aus Indien, und diese Waare giebt einen bedeutenden Handelzweig ab, indem dasselbe auch von hier weiter nach Constantinopel geführt wird. Die nöthigen Gold- und Silberfaden werden hier bereitet. - Zum ausländischen Handel mit Europa dient die Baumwolle von Akre, Cypern und Lattakia; von iener ersten kosten ietzt 110 Rottl 300, von der zweiten 290 und von der dritten 280 Piaster. Auch von Malathia und Merásch kommt viele Baumwole; allein sie ist ihrer Unreinheit wegen weniger ge- schätzt als die von andern Orten. Besser als diese ist die von Salonichi in Griechenland, aber in Europa weniger geschätzt als die von Akre. Dei beste Baumwolle nach der ostindischen von Isle de France und Bourbon ist die von den westindischen Inseln, die indess auch weit theurer ist als die levantinische; aber auch diese westindische Baumwolle ist nach ihren verschiedenen Geburtsörtern verschieden an Güte und an Preise. Hier in vorindustrieller Zeit natürlich noch im Sinne einer mechanisierten Manufaktur. Es gibt keinen Zunftzwang. Persisch oder indisch: Tuch aus Baumwole mit besonderer Verzierung.

Station: Jerusalem Das heilige Feuer

Nachmittags stattete ich dem griechischen Bischof von Karrak, der weither jetzt der Vicarius des abwesenden Patriarchen von Jerusalem ist, einen Besuch ab. Ich hatte einen Brief an ihn abzugeben und wurde sehr gut von ihm aufgenommen. (...) Unser Gespräch kam beyläufig auf das heilige Feuer, und er fand es unbegreiflich, wie man es wagen könnte, an der Wahrheit dieser Erscheinung zu zweifeln. Diese Aeusserung bestätigte mich noch mehr in der Ueberzeugung, dass es den Menschen ungemein schwerfalle, auch bei erlangter grösserer Menschen- und Weltkenntniss jugendliche Vorurtheile zu bekämpfen und das Zerr-Glas zu zerbrechen, womit diese uns alle Gegenstände, welche die Religion betreffen, betrachten lassen.

#728 – 12.04.1806
Ich hatte gestern durch den Dolmetscher des Franciscanerklosters 33 1/2- Piaster an den Einnehmer der Gefälle, welche die christlichen Pilger bezahlen müssen, wenn sie zum erstenmal in die Kirche des heiligen Grabes gehen, auszahlen lassen, um heute dem Feste des heiligen Feuers beiwohnen zu können. Das Feuer fällt nach der Versicherung der griechischen Mönche unmittelbar vom Himmel, und wird von dem Vicarius des Patriarchen, welcher deswegen den Namen des Licht-Bischofs (Motthrän el nür) erhält, in Empfang genommen. Der Glaube an dies jährlich erneuerte Wunder trägt nicht wenig dazu bey, das fromme Feuer bey der zahlreichen griechischen Glaubensparthey zu nähren und die Fortdauer der Pilgerreisen nach Jerusalem zu erhalten. Die Mönche waren so glücklich
in der Unterhaltung dieses Vorurtheils, dass ein levantinisch-griechischer Christ sein Leben in Gefahr setzen würde, wenn er öffentlich seinen Zweitel darüber zu erkennen geben wollte.
            Ich ging mit dem P. General-Procurator, dessen Adjunet, zwey Dolmetschern und einigen andern Personen zur Kirche des heiligen Grabes, die etwas von dem Franciscanerkloster entfernt ist. Vor uns ging ein Janitschar dieses Klosters. Wir trafen vor der Thüre einen Volkshaufen an, welcher sich drängte, stiess und allerhand Unanständigkeiten beging. Auf einer Erhöhung neben dem Eingänge sassen der Gouverneur, der Kady, und das Haupt der Scherife oder der Nakib, unter einem Zelt, welche unsern Gruss freundlich erwiederten. Vor der Thüre war ein Queerbaum angebracht, damit sich das Volk bey ihrer Oeffnung nicht in Masse hineindrängen konnte. Zwey Bediente des Gouverneurs trugen eine Geissel, womit sie einzelne Drängende schlugen. Diese und etliche andere Mohammedaner benutzen diese Gelegenheit, sich einen artigen Verdienst zu machen,
indem sie einigen Pilgern für ein Geschenk behülflich sind, sie in die Kirche zu bringen, welches Geschenk jedoch immer weit weniger beträgt, als sie dem Einnehmer hätten bezahlen müssen, indem die Abgabe an denselben für einen Levantiner
25 Piaster beträgt.
            Wir wurden ohne Umstände hineingelassen, und fanden schon eine Menge Menschen darin versammelt. Wir gingen neben dem kleinen Grabgebäude hin, welches mit reichen Hautelissen behangen war, und welches in der Mitte unter der oben offnen Kuppel steht, womit dieser Theil der Kirche, der eine Rotunde bildet, versehen ist. Diese Rotunde hat 2 Gallerien über einander, aber ohne Symmetrie, woran es überhaupt der übrigens reichen und ansehnlichen Kirche des heiligen Grabes gänzlich fehlt. Man hat so viele Kapellchen und dergleichen in derselben angebracht, dass dadurch ihre innere regelmässige
Form fast ganz verdeckt wird. Die Kuppel ruht auf mehreren Pfeilern und Säulen. Die Gallerien waren mit Teppichen und Gemälden geschmückt.
(...)
Von der Gallerie hatte ich das Vergnügen, die Versammlung unten eine Zeitlang ungestört zu beobachten. Das kleine Grabgebäude hat die Grösse eines grossen Zimmers. Es bildet ein länglichtes Viereck, ist mit Kupfer bedeckt, und hat an einem Ende eine kleine Latern-Kuppel. Die Griechen nehmen den Platz auf der einen Seite dieses Grabgebäudes, imgleichen den Häupttheil der Kirche ein, wo sie ihren Gottesdienst verrichten. Die Armenier hatten sich auf der andern Seite des Grabgebäudes versammelt. Diese hielten sich ruhig, die Griechen hingegen betrugen sich im höchsten Grade unanständig und machten einen Lermen, dass mir die Ohren gellten. Dieser Haufe, der sich beständig vermehrte, bestand aus männlichen Personen von jedem Alter. Die jüngern stiessen und drängten und balgten sich; drey bis vier von ihnen überfielen einen Andern und trugen ihn, er mochte wollen oder nicht, um das Grab herum, während dem ein anderer Haufe ihnen mit wildem Geschrey nachrannte. Kaum hatte man die Runde gemacht, als man mit einem Andern das nämliche vornahm. Es war ein Karneval, und man schien nicht ein christliches Fest, sondern Bacchanalien zu feyern. Junge Mohammedaner mischten sich zwischen diesen ausgelassenen Haufen, und trugen treulich das Ihrige dazu bey, um den Tumult allgemein zu machen Die Griechen scheinen keine Wallfahrten ohne solche wilde Ausbrüche der Freude begehen zu können. Auf der Gallerie bemerkte ich mehrere Pilgerinnen.
(...)
Der Lermen hielt etwa bis Nachmittags um halb vier an, während dem die Menge der Zuschauer immer mehr zunahm. Auf einmal wurde es stille; die Procession der Griechen
nahm ihren Anfang, und wildes Geschrey machte griechischen Hymnen Platz. Die Mönche zogen aus dem Chor der Kirche aufs köstlichste gekleidet, und umzogen dreymal in folgender Ordnung das heilige Grab. An der Spitze des Zuges waren 12 Fahnenführer, worauf Heiligenbilder gemalt waren; auf sie folgten 34 Geistliche; dann kamen 20 Kirchendiener, grosse Wachslichter auf hohen Leuchtern tragend; ihnen folgte der Bischof von Karrak, welchem als Vicarius des Patriarchen die Ehre vorbehalten war, das heilige Feuer in Empfang zu nehmen; hinter ihm wurde eine grosse Fahne getragen; den Zug beschlossen die zahlreichen griechischen Pilger, welche aber kaum Raum fanden, sich an den Zug anzuschliessen. Die Versammlung glich einem dicken Ring, welcher sich um das Grab drehte. Nachdem man so sehr langsam dreymal um dasselbe gekommen war, ging der Bischof des Lichts nebst seinen Assistenten in das Grab. Man versicherte mir, dass er vor dem Eintritt in dasselbe von etlichen Mohammedanern untersucht werde, ob er auch Feuer mit sich hinein nehme? Andere versicherten mir, diese Ceremonie finde nicht statt. Nachdem er etwa eine Viertelstunde in dem Grabe gebetet hatte, und Alles in der gespanntesten Erwartung war, erhellte plötzlich ein Licht das dunkle Innere, und auf zwey Seiten wurde eine angezündete Fackel durch eine schmale Oeffnung herausgereicht, zu welchen sich die Pilger, auf der einen Seite die Griechen, auf der andern die Armenier, mit der grössten Anstrengung hinzudrängten, um ihre mitgebrachten Wachslichter, die in und ausser der Kirche in Menge feilgeboten werden, daran anzuzünden. Ein lautes Jubelgeschrey erfüllte die Kirche, manche zündeten auf einmal eine ganze Hand voll Wachslichte an, und eilten in schnellem Laufe durch die Hallen der Kirche, um sie andern Pilgern mitzutheilen, oder sie ihre Lichter daran anzünden zu lassen, welche alsdann wieder ihren Nachbaren ihr Licht mittheilten. In wenigen Augenblicken waren alle Theile der Kirche, die Gallerien u. s. w. mit mehrern tausend Lampen und Lichtern illuminirt. Dieser Augenblick hatte wirklich etwas Interessantes.
(...)
Nach beendigten Processionen drängten sich die Pilger zum Besuch des Innern vom heiligen Grabe. Da dies eine reiche Quelle von Einkünften ist, so sind einige Mohammedaner an der Thüre postirt, um das Geld für die Erlaubniss, ins Innere des Grabes zu gehen, in Empfang zu nehmen. Man setzt zuerst einen Preis von mehrern Ducaten, und so wie sich die
reichern Liebhaber nach und nach verlieren, setzt man immer niedrigere Preise, so dass die Aermern zuletzt nur etliche Para zahlen. Dies dauert einen beträchtlichen Theil der Nacht hindurch. Ein paar Mohammedaner gingen immer vor der Thüre hin und her, um den Herzudrängenden, und auch denjenigen, die zu wenig boten, mit ihren Geissein einen Schlag zu geben, der freylich mehr schimpflich als schmerzhaft war. Im Grunde ist es wahre Thorheit, 33 Piaster für die Erlaubniss, solche Unanständigkeiten sehen zu können, zu bezahlen. Wie unendlich schöner dagegen sind die Processionen in so vielen katholischen
Ländern Europens!
Da des Nachts viele Leute in der Kirche blieben, so hatte dies ein Grieche benutzt und in einem Zimmerchen eine Kaffeeschenke errichtet.

Station: Jerusalem Krankheit

In der Nacht vor dem 22. May spürte ich zum erstenmal keine Schmerzen mehr im Unterleib. Meine Krankheit dauerte also 13 Tage. Wenn ich jedesmal meine astronomischen Beobachtungen mit einer solchen Krankheit erkaufen muss: so kommen sie mir wahrlich theuer zu stehen!

22. May.
Meine Phantasie schildert mir den Karmel jetzt als ein Paradies, wo ich, ausser einer trefflichen Aussicht über das Meer, das Vergnügen mir male, die Kühle dieses Windes an seiner Quelle zu gemessen. Ich habe mir vorgenommen, mehrere Monate lang daselbst zuzubringen, bis, wenn es der Himmel will, meine Gesundheit gänzlich wieder
hergestellt ist. Während der Zeit will ich meine wissenschaftlichen Arbeiten so viel wie möglich beschränken, und mir durch Baumpflanzen und Garten-Arbeiten, zumal in der Frühe, häufige Bewegungen machen. Kurz! ich denke die Lebensart eines Einsiedlers zu führen. Schon ist die Hoffnung wieder in mir aufgelebt; meine Phantasie beschäftigt mich mit diesem angenehmen Bilde, und meine Todesgedanken machen frohem
Vorstellungen Platz. Meine Hypochondrie wurde vorzüglich durch den Geldmangel genährt, und die Güte des General-Procurators, der demselben abhelfen wird, brachte mir neues Leben.

23. May. Gestern liess ich meine 2 Reisekoffer nebst 2 Kisten, wovon die eine mit Mineralien, die andere mit Pflanzen gefüllt ist, und die beide für Gotha bestimmt, einballiren, und heute erhielt ich vom General-Procurator 200 Piaster ausgezahlt, wofür ich ihm einen Wechsel von 400 Piaster zustellte. Der Ueberschuss von 200 Piastern war zum Geschenk für das Kloster bestimmt, worin ich mehrere Wochen gut aufgenommen gewesen war. Thuma von Akre trat heute seinen Dienst bey mir an. (Ich habe ihn täglich für zwey Piaster aecordirt.)




Station: Kahira Metropole 1

Auf dem Rómelije sieht man täglich Possenreisser, Sänger, Affenführer, Psyllen u.s.w., welche bald mit einer Gruppe geringer Bürger, müssiger Fremden, Bauern und Beduinen umgeben werden.
(...)
Auch viele Bettler am Wege. Ein hübsches schlankes Mädchen war sehr zudringend; sie versprach meinem Eseltreiber, sie wolle ihn diesen Abend heuraten, wenn er mich bewegte, ihr ein Almosen zu geben. Dieser nahm dies Anerbieten aber so übel auf, dass er ihr einen Schlag gab, worüber sie ein heftiges Geschrey anfing, und ihm alle möglichen Verwünschungen auf den Hals schickte. Bettelnde Kinder, Knaben und Mädchen, sieht man truppweis.

27.05.1807
Als ich Nachmittags zu den Buchhändlern ging, fand ich auf dem Musky, einem kleinen Platz, zwey Menschen liegen, denen so eben der Kopf abgeschlagen war. Man hatte sie als Räuber ertappt und sogleich hingerichtet. Der Scharfrichter sammelte von den Vorübergehenden ein kleines Trinkgeld. Eine Stunde nachher wurden sie auf einer Bahre hinausgetragen.


27.05.1807
An vielen Stellen in den Gassen findet man Eselverleiher, die Einen nach jedem beliebigen Ort führen. Dies geht sehnell, und obgleich man bisweilen durch gedrängt volle Gassen kommt: so wissen diese Thiere sich doch so geschickt hindurch zu schmiegen, dass man wenig aufgehalten wird. Sie laufen schnell und sehr sanft. Der Transport ist wohlfeil. Die Verleiher sind äusserst dienstfertig und geben den Leuten im Wege gar schöne Worte, und nach dem verschiedenen Ansehn der Personen rufen sie ihnen zu: „Mein Onkel, Bruder, Schwester, Madame, Herr, Freund, Freundin etc., gebt Acht! geht ein wenig zur Linken, zur Rechten!". Diese Thiere sind hier in mancher Hinsicht den Pferden vorzuziehen.
 
23.08.1807
Sonntag
 Kanonenschüsse kündigten die Nachricht an, dass der Pascha Bestallung vom neuen Sultan von Konstantinopel erhalten. Heute kaufte ich eine kleine ägyptische Statue von Basalt für 60 Piaster; man hatte sie in Fajúm gefunden, und lange in Kahira für ein Trinkgeld gezeigt. Auch habe ich einen Horus von Serpentin, und eine Figur mit Hieroglyphen von gebackener Erde und glasurt gekauft. Die Aegypter schlagen aus Aberglauben den Statuen immer die Nase ab.

Station: Kahira Hydrotechnik

Keine Wissenschaft wäre für Aegypten nützlicher, als die Hydrotechnik. Welch' ein neues Feld könnte diese nicht für den Landbau hieselbst erwerben und aus dem Chaos hervorrufen, wenn sie alle ihre Kunst von der Gränze Nubiens, wo der Nil aus dem Gebürge hervortritt, anwendete! Wasser! Wasser! dies ist der Gott, den die Aegypter anbeten müssen.

12.07.1808
Kein Land in der Welt könnte fürtrefflichere Fahrwege haben, als Aegypten. Man müsste sie von Ort zu Ort grade ziehen und sie mit hochstämmigen Sycomoren[1] oder Maulbeerbäumen bepflanzen. Gepflastert dürften sie nie werden. Die einzige Unterhaltung wäre, die Gleise bisweilen wieder zuzuwerfen, und durch Besprützen mit Wasser den Staub zu festigen. Unter welchen dichten laubichten Alleen würde man so nach wenigen Jahren ganz Aegypten durchfahren können! Denn die Vegetation ist stark. Auch von der Fistul-Cassie[2] könnte man Alleen anlegen; ein Baum, der wegen seiner grossen Sträusse von goldenen Blumen zur Zeit seiner Blüthe wirklich prächtig ist, und dessen Früchte stark gesucht sind. Die Brunnen, die zur Wässerung des Weges dienten, könnten auch den Reisenden das Trinkwasser liefern. Stationsweise müssten Posten und Wirthshäuser angelegt werden. Welch' ein Vergnügen würde eine Fahrt durch ein alsdann so höchst kultivirtes Land gewähren, wo sich überall neue Landhäuser erheben würden, und wo die jetzt unansehnlichen Dörfer ein ganz neues Ansehn erhalten würden!

Station: Kahira Metropole 2

Ein grosser Haufen mohammedanischer und christlicher Knaben waren hier in einem Gefechte mit einander, wozu man sich der Schleuder bediente. Dies Gefecht war so ernstlich, dass ein Bauer auf dem Platze todt blieb, welcher zufälliger Weise von einem Stein getroffen wurde.

26.10.1807
Dienstag
 Der Friede zwischen dem Pascha und den Rebellen war noch heute nicht geschlossen; indess fiel nichts vor. Doch waren die Buden geschlossen, ausgenommen der Esswaaren nicht, und die Kaffeehäuser.
 
13.11.1807
Endlich habe ich Nachricht erhalten, dass mein Wechsel von 4000 Thalern in Smirna angekommen ist, und mehr als 12,000 Piaster gebracht hat. Er hat einen Umweg über Leipzig und Amsterdam gemacht. Möchte er nur erst hier seyn!
 
01.01.1808
Schon wieder ein neues Jahr, und noch immer in Aegypten! In der That gab es noch wohl keinen Reisenden, welcher langsamer reisete, als ich. Mögen indessen die vielen Jahre, die meine Reise dauert, nicht unnütz für die Welt, und möge jeder Tag mit einer Zeile bezeichnet seyn!
 
24.01.1808
Luft ganz bezogen und dunkel. Nachmittags etliche Tropfen.
 Man spricht seit einiger Zeit viel von einer französischen für Aegypten bestimmten Expedition. Heute versicherte man, dass schon eine Armee in Salonichi angekommen sey. - Auch läuft das Gerücht, dass die Wuháby Damask eingenommen.
 
18.04.1808
Ich habe nach und nach auch eine bedeutende Sammlung von ägyptischen Alterthümern gemacht, welche, wie ich hoffe, in Gotha angenehm seyn wird. Die Zahl der Nummern beläuft sich auf 744.
 

Station: Kahira Metropole 3

Als ich des Abends wieder nach der Stadt kam, erfuhr ich, dass ein betrunkener Soldat aus blossem Frevel zwey mohammedanische Kahiriner in der Nähe unseres Hauses, in el Músky, einen nach dem andern erschossen und einen dritten tödtlich verwundet hatte. Wüsste der Pascha diesen Vorfall, er würde gewiss den Bösewicht auf das härteste bestrafen lassen. Allein seine Stellvertreter in der Stadt haben weniger Gefühl für Gereichtigkeit, als er, und so wird man sich vielleicht stellen, als wisse man nichts von diesem Vorfall.

02.09.1808
Heute erhielt ich endlich wieder Briefe von meinem Vaterlande in einem Einschluss des Kammerraths Hrn. v Lindenau in Gotha. So erfuhr ich die traurige Nachricht von dem Tode meines Bruders, des Predigers P. U. Seetzen in Heppens, den ich sehr schätzte, und dessen Verlust mir unersetzlich ist. - Der Brief des Herrn Kammerraths v. Lindenau kündigte mir an, dass mehrere von meinen Papieren nicht in Teutschland angekommen seyen.
 
30.09.1808
Heute erhielt ich drey Mumien, wovon 2 Kasten mit Hieroglyphen und Figuren versehen sind, von den Mumiengrotten in Sakára.
 
17.01.1809
Nachmittags besuchte ich die sehr in Achtung stehende alte Moschee Dschámeá el Ammer (oder Omar, von dem Chalifen Omar ibn el Chatthâb). Sie steht ostwärts neben dem jetzigen Alt-Kahira, und ist mit hässlichen Schutthügeln des grösstentheils zerstörten Alt-Kahira umgeben. Diese Moschee ist die älteste in Aegypten. Von aussen erwartet man das nicht, was man inwendig findet.

Tritt man in diese Moschee: so erblickt man einen grossen viereckigen offenen Platz, welcher rund umher mit inwärts ganz offenen Gebäuden umgeben ist, dessen Dach auf einer Menge von Säulenreihen ruht. Die Säulen bestehen alle aus weissem, bisweilen etwas graulichtem Marmor; viele davon sind korinthischer Ordnung, und ihre Zahl mag sich auf etwa 300 belaufen.
 
Etliche Weibspersonen, welche von den Wallfahrtenden eine kleine Gabe erwarten, zeigten mir an der Südseite an einer Säule das „La Allah illa Alah u Mohammed el raszúl allah" ziemlich nachlässig geschrieben; dies ist aber eine grosse Heiligkeit dieser Moschee; denn man versicherte mir, der Prophet habe dies mit eigener Hand geschrieben. Er muss also schon die jetzigen neuen Nischy-Buchstaben gekannt haben; denn darin war es geschrieben.
 
Das Wichtigste für den Sprachforscher und Alterthumskenner fand ich auf der Nordseite in einer kleinen finstern Kammer, in die mich ein Knabe hineinführte. Es war ein fusshoher Stoss von Pergament, welcher grösstentheils noch gebunden war, und vielleicht den ältesten und seltensten Koran enthält, der den Islamiten erhalten ist. Jedes Pergamentblatt hat etwa die Grösse eines Landkartenbogens, und ist mit grossen schönen kufischen Karakteren beschrieben, welche manche einen Zoll lang waren. Die Suren sind zum Theil mit vier Finger breitem bunten gemalten Bande geschieden; ob diese vergoldet waren, konnte ich nicht genau erkennen, weil es dazu nicht helle genug war. Schade! dachte ich, dass diese Seltenheit hier so vernachlässigt ist, dass man sie in einem unverschlossenen dunklen Kämmerchen mit alten Fussbodenmatten auf die Erde geworfen hat! Ich hoffte von den Weibern etliche Blätter zum Verkauf zu erhalten. Allein, sie sowohl, als mein mohammedanischer Eseltreiber waren zu bigott, als dass sie mir einen solchen Kauf erlauben wollten. Es sey Wackf (Vermächtniss), und überdem litte Omar, der Heilige dieser Moschee, nicht, dass man dieses Buch aus derselben wegthue. Sie versicherten, mehrere, und selbst Mammeluken, hätten es versucht; allein sie seyen so lange beunruhigt worden, bis sie es wieder gebracht hätten. Diese Bigotterie, verbunden mit dem hiesigen trocknen Klima, macht es, dass sich dies Werk dort noch bis jetzt erhalten hat, obgleich es bereits sehr gelitten.
 Die Moschee wird jetzt gänzlich vernachlässigt, und eilt ihrem Ruin entgegen. Denn seit dem Einfall der Franzosen in Aegypten soll sie sehr gelitten haben.

Station: Kahira Aufbruch

Heute war der erste Tag des dreytägigen mohammedanischen Festes Aid el Dahheje, oder Aid el láhham, oder Kurban béiram, welches gestern durch mehrere Kanonenschüsse und durch das Flintenfeuer der hiesigen Truppen angekündigt wurde.

13. März (Montag). Heute wehte zum erstenmal der wirkliche Chámmaszin, und die Hitze war schon ziemlich empfindlich. Die Luft war von dem Staube verdunkelt, und die Sonne zeigte sich selten. Der Staub drang in die Zimmer. Obgleich Wind wehte: so war doch dieser gar nicht so stark, dass er den Staub in die Höhe führen konnte. Mir scheint das Aufziehen des Staubes von einer Menge in der Luft enthaltener electrischer Materie herzurühren.
 
23.03.1809
Um Mittag fiel ein starker Regenschauer.
 Heute beschäftigte ich mich mit Einpacken, und mein Creditwesen für Sues, Janbo und Dschidda wurde zu Stande gebracht mit dem Hadschy Mekky, einem hiesigen Negotianten. In den Creditbriefen liess ich mir den Namen Hadschy Musa el Hakim geben. Ich habe einen hiesigen Mohammedaner, Namens Achmed, zu meinem Bedienten angenommen, für monatlich 45 Piaster und zur Rückreise von Dschídda 50 Piaster.
Ich schliesse jetzt mein Tagebuch, um es einzupacken.

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