Infopoint: Gotha um 1802
Das Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein kleines Herzogtum in der kleinteiligen politischen Landschaft des Alten Reiches. Es galt jedoch nicht als unbedeutend, was auf die herrschende Dynastie der Ernestiner und ihre Heiratsverbindungen zurückzuführen ist. Im 18. Jahrhundert reichte die bedeutendste dieser Verbindungen in das Kurhaus Hannover und damit in die englische Königsfamilie. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war der Gothaer Hof über die Landesgrenzen hinaus berühmt für sein an der französischen Aufklärung orientiertes, literatur- und kunstbeflissenes Hofleben. Nicht zuletzt Voltaires fünfwöchiger Aufenthalt am Gothaer Hof ließ ihn als sehr modern und am Puls der Zeit erscheinen.
Während der Regierungszeit von Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1745–1804) im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts entwickelte sich in der nur 45 Kilometer entfernten Residenz der Herzogin Anna Amalia (1739–1807) und ihres Sohnes Carl August (1757–1828) von Sachsen-Weimar-Eisenach mit dem berühmten „Musenhof” in Weimar ein Mittelpunkt der klassischen deutschen Literatur. Dieser überstrahlte seitdem auch das Gothaer Hofleben. Doch schon Jahrzehnte zuvor und noch immer gingen von Gotha wichtige kulturelle und wissenschaftliche Impulse aus, die auch europaweit von Bedeutung waren. Ernst II. förderte Wissenschaft und Kunst. Er hegte eine besondere Liebe zu den Naturwissenschaften, Astronomie, Physik und – damals noch damit unmittelbar verbunden – Geographie. Durch den Bau der Sternwarte auf dem Seeberg und vor allem durch den im Sommer 1798 in Gotha veranstalteten ersten Astronomen-Kongress Europas stand die thüringische Residenz wieder im Mittelpunkt des internationalen Interesses.